Das Dortmunder U verzeichnet für 2013 einen Besucherschwund

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Und oben fliegen Winkelmanns Bilder: Das Dortmunder U.

Von Ralf Stiftel DORTMUND - Eine „Landmarke in der Region“ soll das Dortmunder U sein, das Kulturzentrum im Gebäude der einstigen Union-Brauerei. Jetzt legte das Zentrum seine Besucherbilanz für 2013 vor, und die kann eigentlich nicht zufrieden stellen. Zuwächse verzeichnet allein die Gastronomie, da kamen 2013 stolze 161 000 Gäste, fast 46 000 mehr als 2012. Die Ausstellungen und Veranstaltungen hingegen zogen 110 526 Menschen an, 2012 waren es noch fast 9000 mehr.

Es kommen zwar nicht mehr so viele Kulturkunden. Aber die, die kommen, loben das U. Bei einer Befragung gaben 84 Prozent der Besucher an, dass das Haus ihnen gefalle. Im Vorjahr waren das nur 62 Prozent. Aber immer weniger Gäste werden von Ausstellungen angelockt (45 Prozent, 2012: 53), dafür sind mehr Leute auf das Gebäude selbst neugierig (33 Prozent, 2012: 27).

Kurt Eichler, Geschäftsführer der Kulturbetriebe, wies darauf hin, dass wegen Renovierungsarbeiten einige Einrichtungen mehrere Wochen geschlossen waren. Aber eine wirkliche Erklärung für den Besucherschwund ist das wohl nicht. Es gab 2013 immerhin 30 Sonderausstellungen gegenüber 15 im Jahr davor. Das Angebot war also bedeutend größer. Doch nicht die Masse macht’s, wie auch Eichler einräumt. Er sprach von der „Achillesferse“ des U, dass es zu wenig Mittel für große Ausstellungen mit Strahlkraft habe. „Wir versuchen, das Defizit durch die Vielzahl der Angebote wettzumachen“, ergänzte er.

Das Museum profitiert durch den neuen Standort durchaus, auch wenn die Besucherzahl von 41 331 im abgelaufenen Jahr gegenüber 2012 (55 000) einen Rückgang um fast ein Fünftel bedeutet. Am Ostwall kamen zuletzt noch weniger Menschen, im letzten Jahr dort, 2008, wurden 20 000 Besucher gezählt, Ende der 1990er Jahre waren es sogar nur 12 000. Damit liegt das Museum vor dem Gustav-Lübcke-Museum in Hamm (2011: 30 000 Besucher), hinter der Kunsthalle Bielefeld (2013: 50 000). Zum Vergleich: Allein die Ausstellung mit Mobiles von Alexander Calder zog 90 000 Besucher in die Düsseldorfer Kunstsammlung NRW (2013/14).

Für den Betrieb des Kulturzentrums zahlt Dortmund einen jährlichen Zuschuss von mehr als 5,7 Millionen Euro. Die Stabilisierung im Mittelmaß verleiht dem U lange nicht die „internationale Ausstrahlung“, die sich die Stadt wünscht. Dafür müsste das Museum Ostwall sichtbar sein, mit einem profilierten Programm von Ausstellungen, die das große Publikum ansprechen oder frische Themen setzen, am besten beides zusammen. Das aber gibt die Ausstattung des Hauses nicht her. Dass das Museum nicht autonom arbeiten kann, sondern in die Hierarchie des U eingebunden ist, stärkt seine Position auch nicht. Das Team um Museumsdirektor Kurt Wettengl sucht eigenes Profil, zum Beispiel mit dem Akzent auf der Nachkriegskunst der Fluxus-Bewegung. Das ist sinnvoll, weil das Haus hier besonders reiche Bestände hat. Die Werke sprechen aber nicht unmittelbar durch visuelle Reize an, sind oft aus „armen“ Materialien gefertigt. Natürlich besitzt das Haus einen Schatz an Werken des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Hier ist aber auch die Konkurrenz ungleich größer, und mit dem Folkwang Museum in Essen oder dem Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal kann Dortmund nicht konkurrieren.

Zwei größere Sonderausstellungen immerhin plant das Museum Ostwall, eine davon soll ein echtes Highlight werden: „Arche Noah – Tier und Mensch in der Kunst der Moderne bis zur Gegenwart“ (ab 15.11.). Das Museum knüpft damit an seine eigenen Bestände an und spannt einen Bogen von August Mackes Gemälde „Großer zoologischer Garten“ bis zu Mark Dions raumfüllender Installation „Frankenstein im Zeitalter der Biotechnologie“ aus den späten 1990er Jahren. Gezeigt werden sollen Werke von Franz Marc, Ernst Ludwig Kirchner, Ewald Mataré und anderen. Ob die Schau aber wirklich über die Region hinaus ausstrahlt wie einst im alten Domizil am Ostwall die Präsentationen mit klassischer Moderne, hängt davon ab, welche Leihgaben aus großen Museen zugesagt werden und vom Budget finanziert werden können. Schon vorher spielt das Künstlerduo Wolfgang Winter und Berthold Hoerbelt „Körpermaumau“ mit großen Installationen, die das Publikum einbeziehen (ab 5.4.).

Um dem U mehr Zugkraft zu verleihen, müsste man allerdings den Mut haben, das Museum Ostwall in den Vordergrund zu rücken. Wie es geht, zeigt unter dem gleichen Dach der Hartware Medienkunstverein mit pointierten Ausstellungen, für die er immer wieder ausgezeichnet wird. Gerade erst wurde der Verein zum fünften Mal für den Kunstvereinspreis der Art Cologne nominiert.

www.dortmunder-u.de

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