Das Dortmunder Opernhaus feiert seinen 50. Geburtstag

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In Festbeleuchtung: Eine dreieckige Kuppel überwölbt Foyer und Treppenhaus der Oper Dortmund

Dortmund - Stahl, Glas, Beton und überall Dreiecke. Das größte wölbt sich als Kuppel über das Dortmunder Opernhaus. Vor 50 Jahren wurde das Gebäude am Platz der alten Synagoge eröffnet, im März 1966.

Die Kuppel war eine bautechnische Meisterleistung: Eine Betonschale mit einem Durchmesser von 54 Metern, die an ihrem höchsten Punkt fast 17 Meter misst, eingedeckt mit dreieckigen Kupferplatten. Gerahmt wird die längst grün patinierte Fläche von drei breiten Betonbögen. Die Öffnungen darunter sind bodentief verglast, man schaut ins Foyer und ins Treppenhaus mit seinen Milchstraßen-Glühbirnen. Noch mehr Drei- und Sechsecke: das Pflaster auf dem Vorplatz, die Bodenplatten innen, die Ränge im Zuschauerraum, ursprünglich auch unter der Decke des Foyers. Doch die Waben für die Beleuchtung mussten dem Brandschutz weichen.

Das mussten auch die Gobelins, die als Kunst am Bau in Auftrag gegeben worden waren und mittlerweile im Museum für Kunst und Kulturgeschichte lagern. Jetzt hängen drei der ursprünglich sechs Wandteppiche für ein paar Monate wieder im Foyer. Sie gehören zu der Ausstellung „Gestaltung und Erlebnis – Das Opernhaus 1966“, die an den Waschbeton-Wänden ausgebreitet wird.

Die Schau rollt anhand von Texttafeln und Fotos die Baugeschichte auf; am Samstag wird sie eröffnet. Anschließend wird das Werk gespielt, das schon am 3. März 1966 zur Eröffnung erklang: Richard Strauss’ „Rosenkavalier“, eine Wiederaufnahme der Inszenierung von Intendant Jens-Daniel Herzog.

Bei ihrer Eröffnung vor 50 Jahren hatte die Dortmunder Oper schon eine lange Geschichte hinter sich; seit dem 19. Jahrhundert wurde Musiktheater gegeben, seit 1904 besaß die Stadt ein Theatergebäude. Nach dem Krieg lagen in Deutschland die meisten Theater und Opernhäuser in Trümmern, in Dortmund seit Bombentreffern im März 1943. Mancherorts entschied man sich für den Wiederaufbau (wie in Hagen), in Dortmund dagegen: Die Jugendstil-Gebäude von 1904 wurde aufgegeben und abgetragen. 1948 begann der Bau einer neuen Spielstätte am Hiltropwall in der Eigenregie der städtischen Bauverwaltung – für Marie König ein Indiz für ein dringendes Dortmunder „Bedürfnis nach Oper und Theater“. Die Dramaturgin hat die Jubiläumsausstellung konzipiert, gemeinsam mit dem früheren Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer.

Das „Kleine Haus“ (Schauspielhaus) am Hiltropwall war 1950 eröffnet worden, es wird gerade umgebaut. 1954 schrieb der Dortmunder Stadtrat einen Architekturwettbewerb für ein „Großes Haus“ aus; der Entwurf von Heinrich Rosskotten und Edgar Tritthart machte den ersten Preis. 1958 begannen die Bauarbeiten: Zunächst Werkstätten und das bühnentechnische Gebäude, ein achtgeschossiger Riegel zwischen Opern- und Schauspielhaus, von beiden Seiten aus zu nutzen. Ab 1964 wurde die Kuppel in Beton gegossen. Der Bau zog sich hin, immer wieder gab es Verzögerungen wegen steigender Baukosten, statischer Probleme und Änderungen: Die ursprünglich viereckige Kuppelkonstruktion wurde auf drei Auflagepunkte umgeplant.

Das neue Gebäude erregte Aufsehen, „in allen großen Zeitschriften“ seien damals Artikel erschienen, so König. Die Innenausstattung blieb in Teilen bis heute erhalten: Die niedrigen Tische mit ihren Mosaik-Flächen oder die wellige Trennwand zum Kassenhaus, die der damals in Soest lebende Künstler Hugo Kükelhaus entwarf. Die Architektur spiegelte das Selbstverständnis Dortmunds als „moderner Industriestadt“, stand für ein „neues demokratisches Denken“ und öffneten sich der Einwohnerschaft, so die Dortmunder Architektur-Historikerin Renate Kastorff-Viehmann. In Münster und Gelsenkirchen, wo neue Theater schon 1956 und 1959 eröffnet worden waren, gab es ein ähnliches geschichtspolitisches Programm: Formen und Material sollten Erinnerungen an wilhelminischen Plüsch, vor allem aber an die Engstirnigkeit und Durchhalte-Pathos im NS-Staat tilgen. Repräsentativ und spektakulär sollten die Gebäude durchaus sein, monumentalen Protz und Pathos hatten die Stadtväter nach 1945 aber über.

Wenige Jahre nach der Eröffnung wurde in Dortmund heftig um die Oper gestritten. Kulturdezernent Alfons Spielhoff, der zur leinengebundenen Festschrift ein enthusiastisches Grußwort beigesteuert hatte, plädierte 1973 für die Aufgabe des Hauses. Spielhoff, ein Pionier der Neuen Kulturpolitik der 1970er Jahre mit ihrer Hinwendung zur Soziokultur („Kultur für alle“), polemisierte gegen passiven Kulturkonsum und bürgerlichen Bildungshabitus, als deren Symbol ihm das Opernhaus erschien. Er schlug vor, das hoch subventionierten Orchester aufzulösen, das Große Haus zur Spielstätte für Tournee-Ensembles umzuwandeln und das Schauspiel in einen GmbH-Betrieb. Ein gutes Jahr und viele Debatten später lehnte der Rat Spielhoffs Vorstoß ab.

Die Konkurrenz zwischen Hochkultur und Soziokultur ist Geschichte, auch in Dortmund. Hier ist ein Platz nach Alfons Spielhoff benannt (zwischen einem freien Theater und einem Kulturzentrum), und Opernintendant Jens-Daniel Herzog adaptiert ein Schlagwort der Soziokultur mit seiner Losung „Oper für alle“.

Am Samstag wird das Jubiläum gefeiert:

16.30 Eröffnung der Schau „Das Opernhaus 1966“ (bis Jahresende); 17.30 Uhr Festakt, Ansprachen von OB Ullrich Sierau, Intendant Jens-Daniel Herzog und NRW-Kulturministerin Christina Kampmann

18 Uhr „Der Rosenkavalier“

www.theaterdo.de

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