Adrian McKintys Krimi „Gun Street Girl“ mit Sean Duffy

Adrian McKinty
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Adrian McKinty

November 1985 in Nordirland. Sean Duffy, 34, Detective Inspector bei der Carrickfergus RUC, will eigentlich nur in sein Bett nach einem verpatzten Einsatz gegen Waffenschmuggler. Aber er lässt sich von seinem Detective Sergeant McCrabban überreden, den interessanten Fall nicht den Rivalen der Larne RUC zu überlassen: „ein toter Millionär und seine Gattin in einer Monsterriesenvilla in Whitehead“. Und damit beginnt der Schlamassel.

Adrian McKintys Roman „Gun Street Girl“ ist der vierte Fall um Duffy, der als Katholik in der königlichen Polizei arbeitet, die von den katholischen Nordiren als Besatzertruppe empfunden wird. Er schlägt ein Kreuz: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich an die Existenz des Erzengels Michael glaube, Schutzpatron der Bullen, aber ich bin nun mal Angehöriger der Royal Ulster Constabulary, der Polizeitruppe mit der höchsten Todesrate der westlichen Welt, da nimmt man jede Hilfe, die man kriegen kann.“

Einen Mann, der so spricht, muss man in sein Herz schließen. Duffy ist alles andere als ein Musterbeamter. Er gibt sich hemmungslos seinen Vorlieben hin, Jazz und Blues, Whisky, dem eigentlich für die Asservatenkammer bestimmten „peruanischen Durchhaltepulver“, Frauen. Kein Wunder. Dies ist Nordirland unter Thatcher. Die IRA beherrscht die Straßen. Selbst Mordermittler müssen zwischendurch Schutzweste und Schild anlegen, um sich von aufgestachelten Demonstranten mit Flaschen und Pflastersteinen bewerfen zu lassen. Und jeden Morgen blickt er als erstes unter sein Auto. Es könnte ein Sprengsatz drunter sein. Das motiviert nicht gerade. Aber Duffys Vorgesetzter steht in seiner Schuld, so dass ihm keiner was kann. Und er blickt durch, nicht nur in der Musik: „Die meisten Popsongs waren besser, wenn man das Saxophon rausschmiss.“ Dieser Fall, bei dem praktischerweise ein Tatverdächtiger schnell gefunden, leider aber ebenfalls tot ist, wird immer komplizierter. Und dann mischen auch noch Geheimdienste mit, Special Branch, und ein mysteriöser Amerikaner, den es den Akten zufolge eigentlich gar nicht gibt.

Der Roman besticht durch das Zeitkolorit, Dialogwitz und Spannung. Duffy hält sich nicht an die Spielregeln, bezieht nicht zu knapp Prügel, sucht nach Liebe und leidet am „Police Station Blues“. Am Ende wissen er und der Leser mehr. Für den Ermittler gibt es nur Momentglück. Der Leser freilich findet wunderbare Sätze, von Peter Torberg mustergültig übersetzt, wie die Beichte am Ufer, „doch wie üblich weigerte sich das kalte schwarze Meer, das über den Sand leckte, mir Absolution zu erteilen“.

Adrian McKinty: Gun Street Girl. Deutsch von Peter Torberg. Suhrkamp Verlag, Berlin. 376 S., 14,99 Euro

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