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Radikalismus-Studie für Hamm bleibt umstritten

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Ausgerechnet Ratsherr Dennis Möller, Mitglied der Partei „Die Rechten“, saß unmittelbar neben der Gewaltforscherin Dr. Claudia Luzar.
Ausgerechnet Ratsherr Dennis Möller, Mitglied der Partei „Die Rechten“, saß unmittelbar neben der Gewaltforscherin Dr. Claudia Luzar. © Wiemer

HAMM - „Rechtsextremismus kann man nicht isoliert betrachten,“ sagte die aus Hamm stammende Gewalt- und Konfliktforscherin Dr. Claudia Luzar am Montag in einer Sonderratssitzung des Rates, die ihre Radikalismus-Studie „Hammer Verhältnisse“ zum Thema hatte. Dieser Satz sei „das zentrale Ergebnis“ ihres Gutachtens. Die Konflikte in der Bürgergesellschaft müssten im Zusammenhang betrachtet werden.

Der Bitte von Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann, eine Einschätzung der Größenordnung des Rechtsextremismus-Problems in Hamm zu geben, die in dem Gutachten fehlte, kam Luzar nach. In Hamm seien zurzeit noch etwa 28 bis 32 aktive Rechtsextremisten wohnhaft. Dazu kämen 50 bis 70 Personen, die nicht mehr in Hamm lebten, aber in der rechtsextremen Szene vor Ort aktiv seien. Der Unterstützerkreis derer, die an rechtsextremen Demonstrationen teilnehmen, könne auf etwa 300 Personen geschätzt werden.

Dem Hauptfazit der Wissenschaftlerin widersprach energisch Grünen-Fraktionsvorsitzender Reinhard Merschhaus: „Natürlich kann man Rechtsextremismus getrennt betrachten.“ Der Prozess, der hinter verschlossenen Türen dazu geführt habe, dass der Auftrag der Studie so lange „verwässert“ worden sei, bis der eigentliche Untersuchungsgegenstand – der Rechtsextremismus in Hamm – nicht einmal mehr im Titel der Studie vorkomme, bezeichnete Merschhaus als skandalös. „Man merkt den Wunsch, das Thema politisch zu neutralisieren.“

Hart ins Gericht mit der Gutachterin ging noch einmal SPD-Ratsherr Justus Moor, der auch einer der Initiatoren des „haekelclub 590“ ist. Als schwerwiegende Verzerrung wertete Moor, dass der inzwischen über Hamm hinaus etablierte Rechten-Treffpunkt am Kentroper Weg in der Studie nur ein einziges Mal kurz erwähnt werde. Zudem werde verschwiegen, dass mehrere Frauen in der Hammer Rechten-Szene in der vordersten Reihe aktiv seien. Auch schweige das Gutachten völlig zu gewalttätigen Straftaten von Rechten in Hamm. - dfb

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