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Fall Gürle: Prüfverfahren beginnt mit Gutachten

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Die Redaktion verglich Seite für Seite der als Buch erschienenen Magisterarbeit (links) und der im Internet verfügbaren Doktorarbeit (rechts). Trotz zahlreicher identischer Passagen war das Ursprungswerk in der Literaturliste entgegen des wissenschaftlichen Standards nicht als Quelle aufgeführt. © Szkudlarek

HAMM - Sechs Wochen bis zu einem halben Jahr: So lange kann die Überprüfung der Dissertation von Dr. Cevdet Gürle nach Auskunft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster dauern.

Von Gisbert Sander

Das Prüfverfahren wurde durch Recherchen des Westfälischen Anzeigers in Gang gesetzt. Bei einer simplen Internetrecherche fiel die überraschende Ähnlichkeit der Titel der Magisterarbeit „Zypern in seinen Beziehungs- und Konfliktverhältnissen zu Türkei und Griechenland“, die Gürle 2002 im Fachbereich Politikwissenschaft schrieb, und der Dissertation „Die Zypernfrage – Im Spannungsverhältnis zwischen Ankara und Athen“ auf.

Das veranlasste die WA-Redaktion dazu, beide Arbeiten im direkten Vergleich miteinander durchzuarbeiten – mit dem Ergebnis, dass etwa die Hälfte

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Dr. Cevdet Gürle © Szkudlarek

der Doktorarbeit wortwörtlich oder – durch Satzumstellungen – inhaltlich mit dem Text seiner Magisterarbeit übereinstimmt. Das hat Gürle aber weder in der Bibliographie noch an anderer Stelle in der Dissertation angegeben.

Dass die Universität in der vergangenen Woche das Prüfverfahren in Gang gesetzt hat, sei ein übliches Verfahren. „Konkret geht es dabei um die Frage, inwieweit Ihre Doktorarbeit eine – gemessen an Ihrer Magisterarbeit – hinreichend eigenständige wissenschaftliche Leistung (...) darstellt“, schreibt Prof. Dr. Tobias Leuker, Dekan der Philosophischen Universität, an Gürle.

Gesichtet wird zunächst das Gutachten, das 2004 zur Promotion verfasst wurde und in dem der heute 77-jährige,

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emeritierte Professor Dr. Karl Hahn federführend war. Falls es danach als erforderlich angesehen wird, werden er und der damalige Zweitgutachter zu einer Stellungnahme aufgefordert – ebenso wie der Fachbereich Politikwissenschaft zu einer vergleichenden Sichtung von Magister- und Doktorarbeit aufgefordert werden kann.

Sollte anschließend der Fakultätsrat Zweifel daran haben, dass die Dissertation den Regeln der Promotionsordnung entspricht, würde Gürle selbst gebeten, eine Stellungnahme abzugeben, „bevor dann gegebenenfalls Schritte zur Aberkennung der Promotion eingeleitet werden können“, heißt es aus der Pressestelle der Uni Münster.

Der Begriff Promotion bezeichnet das gesamte Verfahren zur Erlangung des Doktorgrades; „Magna cum laude“ (sehr gut) lautete 2004 das Gesamtprädikat für Cevdet Gürle – ebenso wie für seine Dissertation, also den schriftlichen Teil. „Summa cum laude“ (mit Auszeichnung) erhielt er für seine mündliche Prüfung.

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