Integrative Wäscherei geht in Betrieb

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600 Kilogramm Wäsche laufen an einem Tag durch. In den alten Wäschereien war das ein Wochenpensum.

Hamm - Die Lebenshilfe und das Kolping Bildungswerk starten mit einer Wäscherei einen gemeinsamen Integrationsbetrieb. Dort sollen bald 16 Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten.

Unaufhörlich drehen die Trommeln der drei riesigen Trockner ihre Runden. Hinter der gigantischen Mangel im Zentrum der Halle falten fleißige Hände Tischwäsche, Laken und Saunatücher. Ein Gerät mit dem schönen Namen „Multishirty“ bläst Kittel und Hemden mit heißem Dampf auf und befreit sie so von Falten. Bereits der Probelauf macht es deutlich: Die neue Wäscherei der Arbeitswelten gGmbH an der Grünstraße ist gut ausgelastet. 

In dem gemeinsamen Integrationsbetrieb von Kolping Bildungswerk und Lebenshilfe bereiten sich zurzeit zehn Arbeitskrafte und fünf Praktikanten auf den offiziellen Betriebsstart am 26. Februar vor. Etwa eineinviertel Jahre werden dann seit dem Spatenstich im November 2014 vergangen sein. Geplant sind auf Dauer 16 Stellen, jeweils zur Hälfte für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Wäscherei arbeitet zwar als so genanntes Non-Profit-Unternehmen, muss sich aber am Markt aufstellen wie jeder andere Mitbewerber auch. 

600 Kilo Wäsche pro Tag

Die neue Wäscherei der Arbeitswelten gGmbH.

„Natürlich muss der Betrieb wirtschaftlich funktionieren. Erstes Ziel ist es aber nicht Gewinne zu machen, sondern Menschen mit Behinderung den Eintritt in das Berufsleben zu ermöglichen“, sagt Gottfried Schulz vom Kolping Bildungswerk. Schulz ist neben Marika Wollschläger (Lebenshilfe) einer von zwei Geschäftsführern der Arbeitswelten gGmbH. 

In vier großen und zwei kleineren Maschinen werden zurzeit rund 600 Kilogramm Wäsche gewaschen. Das entspricht beispielsweise in etwa 1000 großen Duschhandtüchern. „Wir schaffen heute an einem Tag so viel wie früher in einer ganzen Woche“, sagt Betriebsleiterin Dagmar Hülshoff. 

Betriebsleiterin Dagmar Hülshoff „bläst“ am „Multishirty“ einen Kittel auf und macht ihn mit Dampf faltenfrei.

Bis auf 1,2 Tonnen ließen sich die Kapazitäten im Ein-Schicht-Betrieb noch ausweiten. Die Kundschaft reicht von Privathaushalten über Hotels, Restaurants, Wellnessbetriebe, Industrieunternehmen bis zu Kindergärten. Das Einzugsgebiet geht um Hamm herum von Ahlen bis Unna. Momentan „trainieren“ die Mitarbeiter unter der Regie von Dagmar Hülshoff die Arbeitsabläufe. „Für die Menschen mit Behinderung bedeutet der Betrieb eine völlig neue Orientierung“, sagt sie. Zwar hätten Lebenshilfe und Kolping Bildungswerk beide vorher kleine Wäschereien betrieben, diese seien in Größe, Geräten und Abläufen aber nicht mit dem modernen Betrieb vergleichbar. 

Lohnniveau des ersten Arbeitsmarkts 

„Seit Beginn der Testphase am 4. Januar stellen wir schon eine Entwicklung fest. Die Mitarbeiter haben deutlich an Sicherheit gewonnen. Es geht auch darum, Fähigkeiten und Talente herauszufinden und diese dann einzusetzen“, sagt Hülshoff. „Das spielt sich immer mehr ein. Für die Mitarbeiter ist das ein gutes Gefühl.“ 

Für den Bau des Betriebs erhielt die Arbeitswelten gGmbH von Land, Landschaftsverband (LWL) und der Aktion Mensch eine Förderung von 700.000 Euro. Das Bauvolumen insgesamt lag laut Gottfried Scholz bei 1,5 Millionen Euro. Auch die Arbeitsstellen der Mitarbeiter mit Behinderung werden anteilig durch den LWL gefördert. Bezahlt werden sie nicht nach den Werkstatttarifen der Häuser, sondern entsprechend dem Lohnniveau am ersten Arbeitsmarkt, ergänzt Marika Wollschläger. Ihre tägliche Arbeitszeit beträgt sechs Stunden.

Die offizielle Betriebseinweihung mit Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann findet am 26. Februar statt.

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