Nichtraucherschutzgesetz tritt ab Mai in Kraft

Hammer Wirte befürchten Nachteile durch Rauchverbot

Der Hammer Gastronom Olaf Gröschler ist auf das ab Mai gültige Rauchverbot bereits eingestellt.
+
Der Hammer Gastronom Olaf Gröschler ist auf das ab Mai gültige Rauchverbot bereits eingestellt.

HAMM - In der kleinen Gaststätte befinden sich am Dienstag um 19.30 Uhr sechs Gäste. Alle haben ein Bier bei der Hand und überall stehen Aschenbecher. Während sich alle unterhalten, rauchen vier Besucher eine Zigarette. Diese vertraute Situation wird sich ab Mai gründlich ändern – dann greift das rigorose Rauchverbot in Nordrhein-Westfalen.

Lesen Sie dazu auch:

Raucherclub kapituliert vor Nichtraucherschutzgesetz

Rauchverbot beschleunigt Kneipensterben in Hamm

Gaststättenverband empört über "Raucherverbotsgesetz"

NRW-Kabinett beschließt totales Rauchverbot in Gaststätten

Horst Nußbaum, Wirt der Gaststätte Enge Weste Klosterschänke, sieht die Lage differenziert: „Es ist ja schon interessant, dass Nordrhein-Westfalen jetzt die ganz strenge Linie einführt, während Schleswig-Holstein sowie Hamburg die harten Regeln wieder lockern“. Er fände es zwar gut, dass jetzt für alle gleiche Regeln herrschen, doch sieht er auch Probleme: Seine Gäste haben zwar einen breiten und überdachten Bürgersteig, wenn sie zum Rauchen vor die Tür gehen. Wo aber nur ein schmaler Gehsteig zur Verfügung stehe, würden sich Gäste nicht wohlfühlen und künftig fernbleiben.

Um mit dem Rauchverbot positiv umzugehen, werde er künftig einen Tapas-Imbiss anbieten, sagt Nußbaum. So etwas sei bislang wegen des Rauchens nicht erlaubt gewesen. Grundsätzlich lehne er solche Eingriffe in die Entscheidungsfreiheit aber als ab. Für ihn sei das „legale Diktatur“.

Carsten Winter, ein sportlicher Mann, kommt herein und stellt sich an den Tresen. Bei seinem ersten Bier zündet er sich eine Zigarette an. „Aus meiner subjektiven Sicht ist das eine reine Bevormundung“, erklärt der Gast. Nachdem die Politik sich mit dem Argument Schutz des Gastes die Zähne ausgebissen habe, sei jetzt der Zwang über einen Schutz des Personals eingezogen. Dabei kenne er etliche Mitarbeiter aus der Gastronomie, die sich gerne mal eine Zigarettenpause gönnen.

Olaf Gröschler, Wirt des Cafè Corso, hatte 2011 auf die damals geänderte Rechtslage reagiert. Er ließ einen Raucherraum einbauen. „Mit den Glaswänden, der Rauchabzugsanlage und allem drum und dran hat mich der Raum rund 19 000 Euro gekostet“, sagt der Gastronom. Danach sei auch der Erfolg zu sehen gewesen: Wenn draußen schlechtes Wetter herrschte, habe er regelmäßig 12 Gäste im Raucherraum und sechs im Rest des Lokals gehabt. Dabei habe es nie auch nur eine Beschwerde gegeben. Durch eine Neukonzessionierung habe er bereits seit dem 15. März Rauchverbot. Um den Raum jetzt sinnvoll zu nutzen, habe er einen Krimi-Raum eingerichtet, in dem die Besucher Filme oder Sport ansehen können. Trotzdem ärgere er sich über die enorme, im Nachhinein nicht notwendige Ausgabe.

Der Gast Knut Trümper sieht sich in seiner Auffassung über Politik durch das strikte Rauchverbot voll bestätigt: „In der Politik sitzen zu viele Lehrer, die meinen, ihre Mitmenschen erziehen zu müssen.“ Wenn das Rauchen so schädlich sei, dann sollten sie es konsequenterweise ganz verbieten. Aber auf die Steuern wolle auch niemand verzichten. Mehr müsse er zum Thema Ehrlichkeit wohl nicht sagen. - pk

Kommentare