Zeitplan ungewiss

Flüchtlingsheim Im Ried soll geräumt werden

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Der neue Spielplatz „Im Ried“ darf von den Flüchtlingskindern benutzt werden – er wurde mit Rindenmulch bestreut.

Hamm - Nach dem Altlastenfund am Flüchtlingsheim „Im Ried“ will die Stadt nicht nur auf einen Neubau an dieser Stelle verzichten, sondern den Standort mittelfristig ganz räumen.

Für eine Sanierung ist ein Fachverband kontaktiert worden. Mit der benachbarten Getränkefirma Schürmann laufen weiterhin Gespräche über den Verkauf einer Teilfäche. 

Krebserregende Substanzen gefunden

Auf dem geplanten Bauplatz für ein Übergangswohnheim in Hamm-Süden waren bei Bodenuntersuchungen Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden worden, eine als krebserregend eingestufte Substanz. Die Stadt hatte die dortigen Freiflächen abgesperrt und die Neubaupläne gestrichen.

Die Container-Siedlung auf dem Gelände, in der 80 Flüchtlinge wohnen, stufte die Verwaltung allerdings als sicher ein. Umweltdezernent Jörg Mösgen hatte sich dafür in der Bezirksvertretung Mitte kritische Fragen gefallen lassen müssen.

Laut Stadt: Räumung "mittelfristig" 

Ein Stadtsprecher teilte dann mit, die Container würden „mittelfristig“ geräumt, die Bewohner auf andere Unterkünfte umverteilt. Dann solle die Fläche saniert werden; einen Zeitplan dafür gebe es aber noch nicht. 

Der Altlastensanierungs- und Altlastenaufbereitungsverband Nordrhein-Westfalen (AAV) bestätigte eine Anfrage der Stadt Hamm und erste Gespräche. AAV und Stadt hatten bereits bei der Sanierung der ehemaligen Stadtbad- und Feuerwachenfläche in der Innenstadt zusammengearbeitet. 

An einem Teil der Fläche „Im Ried“ ist die benachbarte Gebr. Schürmann GmbH & Co. KG interessiert. Die Stadt hatte der Firma vor gut einem Jahr mit einer Bebauungsplanänderung den Weg für eine Erweiterung ebnen und die Fläche verkaufen wollen.

Getränkehandel will trotzdem investieren 

Mit der Flüchtlingskrise änderten sich die Prioritäten der Kommune dann aber zugunsten eines neuen Flüchtlingsheims. Für Schürmann war nach diesen Plänen nur eine kleinere Teilfläche übrig geblieben. 

Grundsätzlich habe man weiter die Absicht zu investieren, sagte Geschäftsführer Michael Schürmann. Es gebe entsprechende Gespräche. Keine weitergehenden Angaben konnte die Stadt zur Entstehung der Altlasten machen.

Ursachen für Altlasten nicht eindeutig geklärt

Nach erster Darstellung war der Boden im Zweiten Weltkrieg beim Ausbau eines Versorgungsdepots der Wehrmacht aufgefüllt worden. Dazu sei Bauschutt verwendet worden, der Asche, Blei und Schlacke enthielt. 

Möglicherweise entstanden die Verunreinigungen sogar noch früher: Seit 1934 waren in den Zentralhallen zunächst eine Panzerabwehr- und dann eine Artillerieeinheit der Wehrmacht untergebracht. Vorstellbar ist, dass diese Truppen die angrenzende Ruhr-Lippe-Eisenbahn für ihre Versorgung nutzten und das Gelände entsprechend aufschütteten.

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