Catherine Schumann: Von Hamm nach Palästina

Catherine Schumann

HAMM ▪ Das Neue reizt Catherine Schumann, darum nimmt die ehemalige Hammer Musikschülerin immer wieder neue Herausforderungen an. Vom reinen Geigespiel hat sie sich längst gelöst, ist in die Sparte Musiktheater-Regie gewechselt – und führt seit dieser Woche ehrenamtlich ein Theaterprojekt für Kinder und Jugendliche in Palästina durch.

Geboren wurde Schumann 1978 in Wilhelmshaven, seit ihrem zwölften Lebensjahr wuchs sie in Hamm auf. „Meine Teenagerzeit war bestimmt durch die Musikschule mit Norbert Edelkötter als meinem Geigenlehrer, vielen Auftritten und den Orchesterfreizeiten“, erinnert sich die 33-Jährige gern zurück – ebenso wie an die Märchenerzählerin Margot Sauerhoff, die sie häufig musikalisch begleitete. Schumann trat auch im Orchester des Gymnasiums Hammonense auf, an dem sie 1997 das Abitur machte.

Dass sie sich nach dem Abi dafür entschied, Musiktheater-Regie zu studieren, sei Zufall gewesen. Als Geigerin habe sie zwar ein gutes Niveau gehabt, aber ob es für ein Studium gereicht hätte? Die Weichen für die Zukunft stellte ein Praktikum im Essener Aalto-Theater, nach dem sie sich erfolgreich in Hamburg für das Musiktheater-Studium bewarb und mit einem Diplom im Bereich Operette abschloss.

Ihr beruflicher Werdegang sei von glücklichen Zufällen begleitet worden: Schon während ihrer Ausbildung habe sie eigene Produktionen realisiert, bei internationalen Festivals und Theatern als Regie-Assistentin und Dramaturgin gearbeitet. So sei das Wiener „Klangbogenfestival“ auf Schumann aufmerksam geworden, bei dem sie in drei aufeinander folgenden Jahren gearbeitet habe. Als Abendspielleiterin zeitweise war sie hier dafür verantwortlich, dass die Vorstellung reibungslos lief: „Das war eine heftige, aber auch gute Erfahrung.“

Das „Theater an der Wien“ und die Salzburger Festspiele waren – und sind – weitere Stationen. Durch Empfehlungen von einem Ensemble zum anderen lernte sie den italienischen Schauspielregisseur Antonio Latella kennen, mit dem sie in ihrer Wahlheimatstadt Köln, aber vor allem in Neapel, Rom, Neapel, Turin und bei den Berliner Festspielen als Assistentin, Dramaturgin, Produktionsleiterin und Übersetzerin arbeitete. So lernte sie auch die Arbeit im Sprechtheater kennen, die freier sei als die Arbeit im Musiktheater. Schumann: „Die Oper wird durch das System Musik sehr festgelegt. Da gilt es, aus der Beschränkung heraus Freiheiten zu finden.“ Allerdings sei da in der Zusammenarbeit mit den Dirigenten häufig Konflikte programmiert, zumal ihr Interesse Crossover-Projekten gilt, in denen unterschiedliche Genres miteinander verbunden werden können.

Aktuell wagt Catherine Schumann wieder einmal den „Sprung ins kalte Wasser“: Nachdem sie von dem humanitär-kulturellen Projekt „Cinema Jenin“ in der Westbank gehört hatte, schrieb sie die Organisatoren aus Interesse an – woraufhin sie eingeladen wurde, dort ein Theaterprojekt mit Kindern im Altern von sechs bis zwölf Jahren durchzuführen.

„Die Kinder haben Schreckliches erlebt, das sollen sie über Spiel und Theater überwinden“, so Schumann. Am Mittwoch ist sie nach Palästina gereist – auf ihre Erlebnisse und Erfahrungen, die sie hier vier Wochen lang machen wird, ist sie selbst gespannt. Und anschließend ist wieder Kontrastprogramm angesagt – mit der Arbeit bei den Salzburger Festspielen.

http://www.cinemajenin.org

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