Berufliche Chance für Schwerbehinderte

HERRINGEN ▪ Für Rainer Berges, Behindertenkoordinator im Amt für Soziale Integration, und Amtsleiter Wolfgang Müller ist es ein Beispiel, das „anderen Mut machen sollte“. „Und zwar nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Arbeitgebern“, so Berges während eines Besuchs bei der Firma Dental-technik KJN an der Straße An den Kirchen.

Derzeit sind dort 25 Mitarbeiter beschäftigt, darunter sieben Schwerbehinderte. Das entspricht genau 28 Prozent. Kein anderer Betrieb in Hamm habe eine derart hohe Quote aufzuweisen, berichtet Müller. Bei der Stadtverwaltung zum Beispiel liege sie bei zwölf Prozent – und damit deutlich über der gesetzlichen Mindestquote von fünf Prozent für Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern.

Firmen-Chef Michael Kortüm hat in den vergangenen Jahren „gute Erfahrungen“ mit seinen schwerbehinderten Kollegen gemacht. Gerade erst habe er mit Hendrik Mitschke einen gehörlosen Mitarbeiter nach dessen Ausbildung zum Zahntechniker übernommen. „Und nach einigen Jahren Berufserfahrung könnte er auch seinen Meister machen“, ist Kortüm überzeugt.

Von dem Fleiß und dem Wissensdurst des 27-Jährigen zeigt sich Kortüm „tief beeindruckt“. Vor gut drei Jahren habe sich Hendrik Mitschke bei ihm um eine Praktikumsstelle beworben. Für den Beginn der dreieinhalbjährigen Lehre wäre der Termin eigentlich schon zu spät gewesen. Dennoch habe er dem Heessener eine Chance geben wollen. „Und die hat Hendrik Mitschke genutzt.“ Ende des vorigen Jahres habe er erfolgreich seine Prüfung zum Zahntechniker abgelegt. Er sei flexibel einsetzbar.

Ungewöhnlich ist, dass Hendrik Mitschke neben seiner Ausbildung keine besondere Schule für Hörgeschädigte, sondern eine reguläre Berufsschule in Hagen besucht hat. Hier habe er am Regel-Unterricht teilgenommen. Möglich sei dies durch die frühe Förderung seiner Eltern gewesen, erklärt er. „Das, was die Lehrer gesagt haben, konnte ich von den Lippen ablesen. Ich habe mich in der Schule und im Dentallabor sehr wohl gefühlt“, so der 27-Jährige, der seit seiner Geburt einen Hörschaden hat. Aufgrund des intensiven Trainings mit seinen Eltern könne er sich aber mit seinem Gegenüber gut verständigen – auch ohne Gebärdensprache. Das beeindruckt auch Berges und Müller: Hendrik Mitschke könne sich trotz seiner Einschränkung gut artikulieren und habe ein gutes Sprachverständnis. Und das habe ihm bei seinem beruflichen Werdegang sehr geholfen. ▪ stg

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