Kinderfotos auf Facebook und falsche Erziehung

Was die Polizei Hagen postet, geht alle Eltern an

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Eine der Botschaften, mit der die Polizei Hagen große Wirkung erzielt hat. Und das war das Ziel. 

Hagen - Die Polizei Hagen hat Millionen Menschen mit wichtigen Botschaften erreicht. Eine lautet, nie Kinderfotos auf Facebook zu posten. Der Social-Media-Manager spricht jetzt über die Wirkung. 

Die Polizei Hagen in Nordrhein-Westfalen postet auf Facebook regelmäßig Botschaften, die Menschen in ganz Deutschland bewegen. Sie schreibt wütend an hunderte störende „Gaffer vom Hauptbahnhof“, die sich schämen sollen. Ein Problem, über das Polizisten, Feuerwehrleute, Sanitäter und Notärzte etliche drastische Fälle erzählen können. Bislang hat der Post sieben Millionen Menschen auf Facebook erreicht.  

Die Polizei Hagen ermahnt Fußgänger, im Straßenverkehr auf Autos und Fahrradfahrer zu achten, statt auf dem Handy Nachrichten zu schreiben. Und immer wieder richtet sie sich auf Facebook an Eltern. Zum Beispiel bittet die Polizei Mütter und Väter, ihr Kind niemals in einem überhitzten Auto warten zu lassen, während sie Einkaufen gehen. Einen anderen Facebook-Post adressiert die Polizei an Eltern, die ungezogenen Kindern mit der Polizei drohen (aktuell ist er mehr als 84.000 Mal geteilt worden). Die Polizei schreibt: „Hören Sie bitte auf, Ihren Kindern zu sagen, dass wir sie holen, wenn sie nicht brav sind. Ihre Kinder sollen zu uns kommen, wenn sie Angst haben... und nicht Angst vor uns haben. Danke!"

An alle Eltern: Postet keine Kinderfoto auf Facebook

Eine Bitte der Polizei hat seit Veröffentlichung vor einem Jahr 17,4 Millionen Menschen erreicht: In dem Post richtet sich die Polizei ermahnend an alle Eltern, die Fotos ihrer Kinder auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken posten.  

Die Polizei zeigt ein Bild eines Mädchens, auf dessen Gesicht sie ein großes Kreuz gesetzt hat. Darunter steht: „Auch ich habe eine Privatsphäre!“. Daneben steht: „Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co. zu posten. Danke!“ Damit wirklich jeder den Appell versteht, postet die Polizei ihre Grafik mit einem langen Beschreibungstext, der den Eltern ein unbehagliches Gefühl bereitet: „Vielleicht finden Sie die Fotos heute süß, Ihrem Kind sind sie in ein paar Jahren aber endlos peinlich. Oder Ihr Kind wird damit sogar gemobbt. Noch schlimmer: Pädophil veranlagte Menschen bedienen sich solcher Fotos und nutzen sie für ihre Zwecke beziehungsweise veröffentlichen sie an anderer Stelle.“

Die meisten User loben die Polizei für ihren Aufruf, sehr viel weniger Leute schreiben Negatives. Userin Dannie kommentiert: „Finde ich klasse, dass das endlich mal gepostet wird.“ Userin Maria Stella erkennt, worin das große Problem geposteter Kinderbilder besteht: „Einer liked das Foto oder kommentiert es und zack: 600 Leute aus deren Freundeskreis sehen es und können es ohne Mühe speichern und ihrer Fantasie freien Lauf lassen oder es woanders posten.“ 

Tino Schäfer ist Pressesprecher. Mit seinem Kollegen ist er nebenbei für die Social-Media-Profile der Hagener Polizei zuständig. Ein Extra-Social-Team wie in den Polizeipräsidien der Großstädte gebe es nicht. Er erklärt gegenüber unserem Nachrichtenportal, warum sich das Pressesprecher-Duo für diesen Post entschieden hat: „Es gibt viele Menschen, die gedankenlos Bilder ihrer Kinder veröffentlichen. Wir als Polizei können das nicht verbieten, jedoch Aufmerksamkeit für das Thema erregen und dafür sensibilisieren.“ 

Peinliche Kinderfotos auf Facebook: Tochter verklagt ihre Eltern

Stolze Eltern lieben es, die Fotos ihres Nachwuchses auf Facebook zu stellen. Die Kinder werden dabei nicht gefragt, ob es ihnen recht ist. Einer jungen Frau war es nicht recht. Sie griff zu einem drastischen Mittel: Sie verklagte ihre Eltern. Lesen Sie außerdem, was die Rechtslage sagt.

sah

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