Feuerwehrmann stirbt im Einsatz

Überschwemmungen in Baden-Württemberg: Vier Tote

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Im baden-württembergischen Braunsbach traten zwei kleine Bäche über die Ufer und sorgten für einige Verwüstungen.

Stuttgart - Vier Menschen sind bei den schweren Unwettern in Baden-Württemberg ums Leben gekommen. Das hat der Krisenstab im baden-württembergischen Innenministerium am Morgen bestätigt.

Bei schweren nächtlichen Unwettern sind in Baden-Württemberg mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Das Innenministerium in Stuttgart gehe von insgesamt vier Menschen aus, die "bei den Fluten zu Tode kamen" sowie von mehreren Verletzten, hieß es am Montagmorgen in einer Erklärung. In weiten Teilen des Bundeslandes hätten die Gewitter und Regenfälle der vergangenen Tage zudem zu "erheblichen Hochwasserschäden" geführt. Die Höhe der Schäden sei aber noch unklar.

"Besonders tragisch" sei der Tod eines Feuerwehrmanns, der in Schwäbisch Gmünd bei einem Rettungseinsatz ums Leben kam, wie das Innenministerium weiter erklärte. Auch der Mensch, den der Feuerwehrmann bergen wollte, starb offenbar. In Weißbach bei Heilbronn ertrank zudem ein Mann in Keller eines Mehrfamilienhauses. Den Angehörigen der Toten sprach Innenminister Thomas Strobl (CDU) sein Mitgefühl aus.

Wie die Polizei in Aalen am Montag mitteilte, forderte das Unwetter noch ein weiteres Todesopfer. Demnach wurde eine 13-Jährige unter einer Bahnbrücke bei Schorndorf von einem Zug erfasst und getötet. Sie hatte dort Schutz vor dem Regen gesucht. Das Mädchen war am Sonntagabend zusammen mit einem Zwölfjährigen auf dem Heimweg und geriet wohl zu nah an die Gleise. Dem Jungen passierte nichts, er musste aber psychologisch betreut werden.

Gmünder Opfer noch nicht geborgen

Die Polizei sucht noch nach den zwei Unwetter-Opfern von Schwäbisch Gmünd. Man wolle mit einem Bergungsversuch nicht noch weitere Menschen in Gefahr bringen, hieß es beim Lagezentrum des Innenministeriums. Laut Polizei wurde am Sonntagabend ein Mann in einer Bahnunterführung durch Wassermassen in einen Kanalschacht gesogen. Beim Versuch, ihm zu helfen und ihn aus dem Schlacht zu befreien, wurde auch ein Feuerwehrmann hineingesogen.

Beide Männer sind seither vermisst. "Nach menschlichem Ermessen sind beide tot", sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart über die Gmünder Opfer. Hundertprozentige Gewissheit habe man erst, wenn die beiden Leichen geborgen seien - dies sei bisher aber nicht möglich gewesen.

62-Jähriger von Wassermassen überrascht

In Weißbach nordöstlich von Heilbronn ist nach Angaben der Polizei ein Mann nicht in einer Tiefgarage ums Leben gekommen, sondern im Keller eines Mehrfamilienhauses. Der 62-Jährige sei von den "in Sekundenschnelle eintretenden Wassermassen" überrascht worden, teilte die Polizei am Montagnachmittag mit. Weitere Mitbewohner, die ebenfalls im Keller waren, hätten sich in letzter Sekunde retten können. Zunächst war das Alter des Mannes mit 60 Jahren angegeben worden.

Dem Innenministerium in Stuttgart zufolge waren in der Nacht zum Montag rund 7000 Kräfte im Einsatz. Allein beim Lagezentrum Ulm waren am Sonntag bis 21.00 Uhr fast 500 Notrufe eingegangen. Viele Ortsdurchfahrten waren wegen Überflutungen gesperrt, teilte die Polizei in Ulm mit.

Das Unwetter über der Ostalb hatte die Pegel der Flüsse Rems und Josefsbach am Sonntagnachmittag in kürzester Zeit extrem anschwellen lassen. Die meisten Unterführungen in Schwäbisch Gmünd seien vollgelaufen, teilte die Verwaltung mit. Zahlreiche Fahrzeuge standen komplett im Wasser und die Einsatzkräfte mussten mehrere Menschen aus ihren Fahrzeugen retten. Im Hölltal waren mehrere Gäste für längere Zeit durch die Wassermassen in einer Gaststätte eingeschlossen.

Der Deutsche Wetterdienst warnte gegen 04.00 Uhr noch vor Unwettern südlich von Stuttgart und Wiesbaden.Von Nordbayern bis nach Rheinland-Pfalz sei unwetterartiger Regen mit Gewittern möglich.

Allein beim Lagezentrum Ulm waren am Sonntag bis 21.00 Uhr fast 500 Notrufe eingegangen. Viele Ortsdurchfahrten waren wegen Überflutungen gesperrt, teilte die Polizei Ulm mit. Eine Frau sei aus einem Keller befreit und mit Unterkühlung an die Rettungskräfte übergeben worden. Alleine im Landkreis Heidenheim hatte die Feuerwehr um Mitternacht noch hundert Einsatzstellen zu bewältigen.

Meteorologen: Bis zu 100 Liter Regen pro Stunde

Während der nächtlichen Unwetter in Süddeutschland ist stellenweise binnen einer Stunde so viel Regen gefallen wie sonst binnen eines halben Monats. Im bayerischen Hohenthann bei Landshut etwa gingen innerhalb einer Stunde 67 Liter pro Quadratmeter nieder, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am frühen Montagmorgen mitteilte. In Landshut selbst waren es 57 Liter, in der Region um das oberbayerische Weilheim stellenweise 53 Liter pro Stunde. Dies entspreche grob den Regenmengen, die normalerweise binnen zwei Wochen gemessen würden.

Auf der Wetterseite des Meteorologen Jörg Kachelmann war von stellenweise 50 bis 100 Litern die Rede, die in Süddeutschland innerhalb von nur ein bis zwei Stunden gefallen seien. Aus dem baden-württembergischen Laupheim sei ein 100-jähriges Hochwasser gemeldet worden.

Chronologie: Schwere Unwetter der vergangenen Jahre

Januar 2015: Die Orkantiefs „Elon“ und „Felix“ richten in ganz Europa Verwüstungen an und legen vielerorts den Bahnverkehr lahm. Bei Unfällen gibt es Tote und Verletzte - auch in Deutschland.

Juni 2014: Mit Hagel, Starkregen und heftigem Wind hinterlässt Tief „Ela“ vor allem in Nordrhein-Westfalen eine Spur der Verwüstung. Bilanz: Schäden in zweistelliger Millionenhöhe und mehrere Tote.

Dezember 2013: Mindestens zehn Menschen werden europaweit von Orkan „Xaver“ in den Tod gerissen. Hunderttausende sind ohne Strom. Hamburg erlebt die zweithöchste Sturmflut seit Beginn der Aufzeichnungen 1825.

Oktober 2013: Der Orkan „Christian“ knickt in Norddeutschland und Nordeuropa massenhaft Bäume um und deckt Dächer ab. Allein in Deutschland sterben mindestens sieben Menschen.

Februar 2010: Orkantief „Xynthia“ verwüstet Teile Westeuropas. In Deutschland wütet er am heftigsten in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Sieben Menschen sterben in der Bundesrepublik.

März 2008: „Emma“ wütet über Europa, bundesweit sterben sieben Menschen. In Hamburg entgeht ein Lufthansa-Airbus nur knapp einer Katastrophe, als eine Tragfläche die Landebahn berührt.

Januar 2007: Orkan „Kyrill“ tobt in Europa. 47 Menschen sterben, 11 von ihnen in Deutschland. Erstmals in der Geschichte der Bahn steht der Schienenverkehr fast völlig still.

Juni 2004: Ein Sommersturm über Teilen Deutschlands verursacht Millionenschäden. In Niedersachsen wird ein Autofahrer von einer Eiche erschlagen. Auf dem Chiemsee in Bayern ertrinkt ein Segler.

Juli 2002: Heftige Gewitter und ein Orkan ziehen über Berlin und Brandenburg. Acht Menschen sterben, zwei jugendliche Teilnehmer eines Zeltlagers auf der Insel Schwanenwerder im Wannsee werden von Bäumen erschlagen.

Dezember 1999: Zwei Tage nach Heiligabend fordert der Sturm „Lothar“ in Deutschland und fünf weiteren Ländern 110 Menschenleben. Es entstehen Schäden in Milliardenhöhe.

Schwere Unwetter: So heftig krachte es am Sonntagabend

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AFP/dpa

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