Verurteilte könnte sogar freikommen

Prozess um zerstückelte Leiche wird neu aufgerollt

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Der Angeklagte Detlev G. wurde wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt. Jetzt bekommt er einen neuen Prozess.

Leipzig - Paukenschlag im sogenannten "Kannibalen-Mord": Der bizarre Fall eines Kriminalbeamten, der im Erzgebirge einen Mann auf eigenes Verlangen zerstückelt haben soll, muss noch einmal geführt werden.

Das entschied am Mittwoch der in Leipzig ansässige 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH). Der Senat hob das Urteil des Landgerichts Dresden auf, das den Mann wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt hatte. Die Leipziger Richter entsprachen mit ihrer Entscheidung dem Antrag des Beschuldigten.

„Die Karten sind jetzt vollkommen neu gemischt“, sagte der Senatsvorsitzende Günther Sander nach Verkündung der Entscheidung. In einem neuen Prozess ist der Ausgang nach seinen Worten völlig offen. „Von einem Freispruch bis hin zu lebenslänglich ist alles möglich.“ In der Entscheidung des Senats hieß es, die Beweisführung und -würdigung des Landgerichts Dresden sei unzureichend gewesen.

Dem Polizisten war im ersten Urteil vorgeworfen worden, sein Opfer im Jahr 2013 im Gimmlitztal im Osterzgebirge getötet, zerstückelt und vergraben zu haben. Das Landgericht Dresden ging von sexuellen Motiven für die Tat aus. Die Männer hatten sich im Internet kennengelernt.

Der BGH-Senat kritisierte, dass eine mögliche Selbsttötung des Opfers nur unzureichend geprüft worden sei. Ein Gutachten zu einem verwendeten Seil sei nur ungenau geprüft worden.

Sollte in einem neuen Verfahren erneut auf Mord erkannt werden, könne der Angeklagte nicht damit rechnen, das eine Ausnahme vom Grundsatz der lebenslangen Haft für dieses Delikt gemacht wird, hieß es.

Das Landgericht Dresden hatte im ersten Urteil festgestellt, dass das Opfer - ein Geschäftsmann aus Hannover - sterben wollte und deshalb keine lebenslange Haftstrafe verhängt. Eine andere Schwurgerichtskammer des Dresdner Landgerichts muss nun neu über den bizarren Fall entscheiden.

Der Polizeibeamte und der Geschäftsmann hatten sich auf einer Kannibalismus-Seite im Netz kennengelernt. Dort hatte der Geschäftsmann den Wunsch geäußert, getötet und dann verspeist zu werden. Deshalb soll er zu dem Polizisten ins Erzgebirge gefahren sein.

dpa

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