Ortschaften fast komplett zerstört

Erdbeben in Italien auch in Oberbayern spürbar

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Die Erdbeben-Schäden in einem italienischen Dorf nahe Visso

Rom - Schon wieder bebt die Erde in Italien und schon wieder trifft es das Zentrum des Landes. Selbst in der Hauptstadt Rom bekommen die Bürger den Erdstoß zu spüren. Alles Wichtige im News-Blog.

  • Ein Erdbeben hat am Mittwochabend gegen 19 Uhr Mittelitalien erschüttert. Etwa zwei Stunden später bebte die Erde erneut mit einer Stärke zwischen 5,9 und 6,1. 
  • Der schwerste Stoß, der auch in der Hauptstadt Rom zu spüren war, ereignete sich um 21.18 Uhr nahe Visso.
  • Laut Zivilschutz ist bislang nur eine Person verletzt worden.
  • Erdbeben auch in Oberbayern spürbar

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Die starken Erdbeben in Mittelitalien sind auch in Teilen Oberbayerns spürbar gewesen. Im Geophysikalischen Observatorium der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in Fürstenfeldbruck gingen bis Donnerstag mehrere Meldungen aus dem Raum Rosenheim sowie drei aus dem Raum München ein. Die Ausläufer des Bebens vom Mittwochabend seien jedoch nur sehr kurz und sehr schwach gewesen, sagte Joachim Wassermann, Leiter der Seismologie an dem Institut. „Da hat dann jemand eine Lampe wackeln sehen.“

Auf der Richter-Skala habe das Beben in Oberbayern bei Stufe 2 von maximal 12 gelegen, was bedeutet: „es wird von einzelnen ruhenden Personen verspürt“. Das sei dennoch ungewöhnlich, weil das Zentrum des Bebens 600 Kilometer entfernt ist. „Bei Erdbeben in Oberitalien sind wir die Ausläufer hier gewöhnt“, sagte Wassermann.

+++ Die starken Erdbeben in Mittelitalien waren auch in Teilen Österreichs spürbar. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) erhielt bis Donnerstagfrüh bereits über 150 Meldungen über ihre Homepage. Betroffen war vor allem der Süden des Landes. Bürger aus Innsbruck, Klagenfurt, Villach und Salzburg beobachteten das Schwanken eines Gebäudes oder das Schwingen von Lampen in Wohnungen. Viele bemerkten auch eine Bewegung von Flüssigkeiten in Flaschen und Gläsern. Zu Sachschäden kam es nach ersten Informationen aber nicht.

+++ Die neuen starken Erdbeben in Mittelitalien haben einige Ortschaften fast komplett zerstört. „Es ist eine Katastrophe, 80 Prozent der Wohnungen sind wohl unbewohnbar. Und mit den neuen Beben geben die Leute auf“, sagte der Bürgermeister des Dorfes Ussita, Marco Rinaldi, am Donnerstag. Im nicht weit entfernten Ort Castelsantangelo sul Nera ist laut Bürgermeister der gesamte historische Ortskern beschädigt. 90 Prozent der Häuser hätten Schäden.

+++ Papst Franziskus hat den Betroffenen der neuerlichen Erdbeben in Italien sein Mitgefühl ausgesprochen. „Ich bin im Gebet nahe bei den Menschen, die von dem neuen Erdbeben in Zentralitalien getroffen wurden“, ließ das Oberhaupt der Katholiken am Donnerstag via Twitter verbreiten. Franziskus hatte erst vor drei Wochen den Ort Amatrice besucht, der von dem Beben vor zwei Monaten verwüstet worden war.

+++ Mit Sonnenaufgang wird den Einsatzkräften und Helfern am Morgen nach den schweren Erdbeben in Mittelitalien ein erster Überblick über die Lage möglich. Obwohl die Erdstöße am Mittwochabend ähnlich stark waren wie bei dem verheerenden Beben vor fast exakt zwei Monaten, hatte der Zivilschutz die Folgen zunächst weniger schwer als befürchtet eingeschätzt. Nach offiziellen Angaben starb ein Mann, weil er wohl in Folge der Beben einen Herzinfarkt erlitten hatte. Berichte über weitere Todesopfer gab es am Donnerstagmorgen zunächst nicht.

Acht Bilder dokumentieren das erneute Erdbeben in Mittelitalien

Acht Bilder, die das erneute Erdbeben dokumentieren

+++ Der Bürgermeister von Castelsantangelo, das Dorf mit etwa 300 Einwohnern liegt am nächsten zum Zentrum des Bebens, erzählt von beträchtlichen Schäden. Der Ort habe keinen Strom, liege im Dunkeln, es regne. „Wir warten darauf, dass Gott sich beruhigt“, so Mauro Falcucci laut Ansa. „Das historische Zentrum ist in eine Staubwolke gehüllt.“ Viele Häuser seien aber seit dem Beben im August nicht bewohnbar gewesen seien, was ihm Hoffnung gebe, dass keine Opfer zu beklagen seien.

„Apokalyptische“ Szenen in Ussita

+++ In dem Ort Ussita in den Marken spricht der Bürgermeister von „apokalyptischen“ Szenen. „Die Gegend unseres Ortes ist am Ende“, sagt Marco Rinaldi einem TV-Sender. Auch in der kleinen pittoresken Stadt Visso müssen sich schlimme Szenen abgespielt haben. „Die Wände sind über mir zusammengestürzt (...) Ich bin geflüchtet, und alles war staubig. Die Leute haben geschrien“, berichtet eine Frau der Nachrichtenagentur Ansa. In der Stadt brechen Menschen in Panik aus, weinen.

+++ Der Turm der Kirche Santa Maria in Via ist in Folge der beiden starken Erdstöße in der italienischen Gemeinde Camerino auf ein Wohnhaus gestürzt. Die Kirche war bereits bei dem verheerenden Erdbeben vom 24. August beschädigt worden, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Mittwochabend berichtete. Zunächst gab es keine Berichte über Verletzte. Viele Menschen seien - wie auch in anderen Orten in dem betroffenen Gebiet in der Provinz Macerata nahe Umbrien - zum Zeitpunkt des Bebens am Abend auf der Straße gewesen.

Lage weiterhin chaotisch - Schulen bleiben geschlossen

+++ In der Erdbebenregion in Mittelitalien bleibt die Situation unübersichtlich. Entgegen ersten Angaben sei bislang doch nur ein Verletzter registriert worden, sagte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, bei einer Pressekonferenz am späten Mittwochabend in Rieti. „Es ist nur eine Person leicht verletzt, es schien zuerst, dass es zwei waren.“ In den betroffenen Gebieten sei der Strom ausgefallen. Die Hilfe laufe aber an.

+++ Wegen der zwei starken Erdbeben bleiben mehrere Schulen am Donnerstag geschlossen. Beispielsweise in Assisi und Foligno in Umbrien und in L'Aquila in der Region Abruzzen, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Am Donnerstag sollte die Sicherheit aller Schulen der Gemeinde überprüft werden, schrieb der Bürgermeister von L'Aquila, Massimo Cialente, auf Facebook. 2009 hatten Erdstöße Teile von L'Alquila verwüstet, es gab mehr als 300 Tote.

Weltuntergangsstimmung in Ussita

+++ In der italienischen Gemeinde Ussita, nahe dem Zentrum des starken Nachbebens am Mittwochabend, herrscht nach Aussage des Bürgermeisters Weltuntergangsstimmung. „Die Gegend um unseren Ort ist erledigt. Es ist eine apokalyptische Situation“, sagte Marco Rinaldi dem Fernsehsender Sky TG24. Wegen des ersten Bebens seien zum Zeitpunkt des Nachbebens mehr als zwei Stunden später aber bereits „alle draußen, alle auf der Straße“ gewesen. Er sei deshalb zuversichtlich, dass niemand verletzt wurde. Es sei das stärkste Beben gewesen, das er jemals erlebt habe, sagte Rinaldi. Es sei „furchtbar lang“ gewesen.

Die Lage in dem Erdbebengebiet in der Provinz Macerata ist unübersichtlich. In Kürze wollte der Zivilschutz über die Erdbeben in Mittelitalien informieren.

+++ Zwei Monate nach dem verheerenden Beben in Mittelitalien ist die Region erneut von einem schweren Erdstoß erschüttert worden. Das Zentrum des Bebens, das am Mittwochabend eine Stärke von mindestens 5,4 hatte und bis in die Hauptstadt Rom zu spüren war, lag nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa in der Region, die bereits Ende August heimgesucht worden war. 

Die Stärke eines zweiten Stoßes lag nach Angaben verschiedener Erdbebenwarten zwischen 5,9 und 6,1.

Der Zivilschutz hat mindestens zwei Verletzte bestätigt. „Wir haben Berichte über zwei verletzte Personen in der Gegend um Visso“, sagte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, am Mittwochabend dem Fernsehsender Sky TG24. Die Gemeinde liegt in der Provinz Macerata in den Marken nahe einem Nationalpark. Die Verletzten hätten Notdienste gemeldet. Das genaue Ausmaß des Bebens war zunächst weiter unklar. Bei dem Beben im August waren 298 Menschen ums Leben gekommen.

Erstes Beben der Stärke 5,5 gegen 19.11 Uhr

+++ Alle Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier: 

+++ Das Beben ereignete sich laut Ansa um 19.11 Uhr nahe dem Ort Castelsantangelo sul Nera, einem Dorf in der Region Marken, nicht weit entfernt von Amatrice, wo seinerzeit die meisten Todesopfer zu beklagen waren. Die US-Erdbebenwarte gab die Stärke zunächst auch mit 5,4 an, korrigierte den Wert später aber leicht auf 5,5 nach oben.

Der Bürgermeister von Castelsantangelo sul Nera nahe dem Zentrum, Mauro Falcucci, sagte dem Fernsehsender Sky TG24: „Mit Sicherheit gab es Einstürze.“ Medienberichten zufolge war das Beben auch in Florenz und Neapel zu spüren.

Laut dem Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, kam es nun erneut zu Schäden. „Es gab Einstürze, aber nur von Gebäuden, die schon beschädigt waren“, sagte er Ansa zufolge. „Natürlich weckt das wieder die Angst.“

Die italienische Regierung hatte die Schäden des August-Bebens zuletzt auf rund vier Milliarden Euro geschätzt. Das Land wird häufig von Erdstößen heimgesucht, die immer wieder verheerende Folgen haben.

+++ Auch in der Gemeinde Visso in der Provinz Macerata seien Schäden gemeldet worden. Auf Twitter zirkulierte ein Video, auf dem Schäden nahe einer Kirche zu sehen sind.

So wird die Stärke eines Erdbebens gemessen

+++ Die Stärke von Erdbeben wird mit Seismographen gemessen. Die Geräte zeichnen die Stärke von Bodenbewegungen auf, die sogenannte Magnitude. Weltweit kommen jährlich etwa 100 000 Beben der Stärke 3 vor. Rund 1600 haben die Stärken 5 oder 6. Ein Großbeben hat mindestens den Wert 8 und tritt etwa einmal im Jahr auf.

Meist gilt:

- Stärke 1-2: schwaches Beben, nur durch Instrumente nachzuweisen

- 3: Nur in der Nähe des Epizentrums zu spüren

- 4-5: 30 Kilometer um das Zentrum spürbar, leichte Schäden

- 6: Tote und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen

- 7: In weiten Gebieten stürzen Häuser ein, viele Tote

- 8: Verwüstung im Umkreis Hunderter Kilometer, sehr viele Tote

Die Intensität des Bebens nimmt dabei nicht gleichmäßig nach oben zu - mit jedem Stärke-Punkt Unterschied steigt die Erschütterungsenergie vielmehr um über das 30-Fache. Ein Beben der Stärke 6 setzt rund 1000 Mal so viel Energie frei wie ein Beben der Stärke 4. Die Energie eines solchen Bebens der Stärke 6 entspricht in etwa derjenigen der Atombombenexplosion über Hiroshima.

Ursache der Beben ist ein ruckartiger Abbau von Spannungen, die sich durch Reibungen von Erdplatten aneinander oder durch das Abtauchen der einen Platte unter eine andere ergeben können.

Hintergrund-Information zur Erdbeben-Region Mittelitalien

+++ Das mittlere Italien ist eine derjenigen Regionen in Europa, die besonders häufig von schweren Erdstößen heimgesucht werden. Nur rund zwei Monate nach der Naturkatastrophe rund um die Stadt Amatrice hat der Untergrund nun nicht weit entfernt erneut gebebt. Der schwerste Stoß, der auch in der Hauptstadt Rom zu spüren war, ereignete sich um 21.18 Uhr nahe Visso. Das Epizentrum des ersten Stoßes lag laut der Nachrichtenagentur Ansa nahe dem Ort Castelsantangelo sul Nera - einem Dorf an der Grenze der Regionen Marken und Umbrien, nicht weit entfernt von Amatrice.

Immer wieder trifft es die bergige Gegend in den Abruzzen. Nur etwas weiter südlich hatten im Jahr 2009 Erdstöße die Stadt L'Aquila teils verwüstet, es gab mehr als 300 Tote. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Denn der „Adriatische Sporn“ - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich hier an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet. Die enormen Energien können sich entladen.

Chronologie: Erdbeben in Italien

  • Am 24. August 2016 wird Mittelitalien von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Nach offiziellen Angaben kommen 298 Menschen ums Leben, die meisten in dem Ort Amatrice.
  • Ende Mai 2012 erschüttern über Tage schwere Erdstöße und Hunderte Nachbeben Nordostitalien. Mehr als 25 Menschen sterben, rund 400 werden verletzt, der Schaden geht in die Milliarden.
  • Am 6. April 2009 um 3.32 Uhr verwüstet ein schweres Erdbeben die mittelitalienische Stadt L'Aquila. Es sterben insgesamt 309 Menschen, Tausende Häuser werden beschädigt, rund 70 000 Menschen obdachlos.
  • Ein Beben in Mittelitalien lässt am 31. Oktober 2002 eine Dorfschule in San Giuliano di Puglia einstürzen. Mehr als 25 Kinder und eine Lehrerin sterben, viele Schüler werden verletzt. Das Beben ist noch im 200 Kilometer entfernten Rom zu spüren.
  • Bei einem Beben im Juli 2001 sterben in Südtirol vier Menschen. Ausläufer sind auch in Bayern, Österreich und der Schweiz spürbar.
  • In den Apennin-Regionen Umbrien und Marken beschädigt ein Beben im September 1997 etwa 9000 Gebäude. Schwer betroffen ist auch die Basilika von Assisi. Zwölf Menschen sterben.
  • Bei einem Beben 1990 in Ostsizilien kommen 19 Menschen um. Besonders betroffen sind Syrakus und Carlentini.
  • Ein Beben sucht 1980 die Region Irpinia in Süditalien heim. Rund 3000 Menschen sterben. Viele werden verletzt oder obdachlos.
  • Das Beben von Messina (Sizilien) im Jahr 1908 gilt als eine der schwersten Naturkatastrophen Europas im 20. Jahrhundert. Die Zahl der Toten wird auf mehr als 100 000 geschätzt.

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