28-Jährige schwer verletzt

Frau an Strick hinter Auto hergezogen: Ihr Sohn saß mit drin

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Die Polizei sichert in der Straße die Spuren.

Hameln - Eine Frau ist in Hameln (Niedersachsen) mit einem Seil um den Hals hinter einem Auto hergezogen und lebensgefährlich verletzt worden. Ihr kleiner Sohn saß währenddessen mit im Auto.

Mit einem Seil hat ein Mann eine junge Frau an die Anhängerkupplung eines Autos gebunden und Hunderte Meter weit durch die Innenstadt von Hameln geschleift. Das 28-jährige Opfer schwebt in Lebensgefahr. Der 38 Jahre alte frühere Lebensgefährte der Frau und Vater eines gemeinsamen Kindes hat sich der Polizei gestellt. Gegen den Mann sei Haftbefehl wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erlassen worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge, am Montagabend.

Wie die Bild berichtet, musste der kleine Sohn (2) der Frau die Horror-Fahrt miterleben: Er saß währenddessen im Auto. Hamelns Stadtsprecher Thomas Wahmes zeigte sich erschüttert: „Es ist unvorstellbar, mit welcher Brutalität und Menschenverachtung diese Tat ausgeführt wurde“, betonte er und fügte hinzu: „Hier sind alle erschüttert.“ Nach einer ersten Einschätzung zusammen mit Fachleuten sei aber auch davon auszugehen, dass das Kind glücklicherweise "nicht allzu viel mitbekommen" habe, betonte der Sprecher. So sei der Junge unter anderem auch noch zu klein, um aus dem Fahrzeug gucken zu können.

„Wir gehen von einer Beziehungstat aus“, sagte Polizeisprecher Jens Petersen. Die Bild berichtet, dass das Paar eineinhalb Jahre lang nach islamischem Recht verheiratet war. Am 17. August 2013 feierten sie eine kurdische Hochzeit. Die Braut sei dem Bericht zufolge damals schon schwanger gewesen. Im darauffolgenden Januar kam der Sohn zur Welt. Zwei Monate später kames schon zur Trennung. Der brutalen Tat soll ein Streit um Unterhaltszahlungen vorausgegangen sein.

Frau 250 Meter mitgeschleift

Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei hat der aus dem nahen Bad Münder stammende 38-Jährige der Frau im Hamelner Stadtzentrum ein etwa fingerdickes Seil um den Hals gebunden und den Strick dann an das Auto geknotet. Der Mann sei losgefahren und habe die Frau über Asphalt- und Kopfsteinpflaster-Straßen hinter dem Fahrzeug her geschleift, sagte Petersen. „Insgesamt rund 250 Meter weit.“Vorher habe er ihr durch zwei Stiche "erhebliche Verletzungen" beigebracht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hannover am Dienstag. Der Mann sitzt wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

Das Seil habe sich während der Fahrt vom Auto gelöst. „Unklar ist noch, ob es gerissen ist oder ob sich der Knoten gelockert hat“, sagte Petersen. Die 28-Jährige blieb jedenfalls auf dem Gehweg neben der Kaiserstraße liegen. Dort wurde die lebensgefährlich verletzte Frau von Passanten entdeckt, unter anderem von Polizisten, die kurz vor dem Schichtwechsel auf dem Weg zum Dienst waren. Unmittelbar nachdem sich das Seil gelöst hatte, stellte sich der Fahrer bei einer nahen Wache der Polizei.

Nach einer ersten Notoperation im Hamelner Krankenhaus wurde das Opfer mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik nach Hannover geflogen und dort erneut operiert. Die Frau liege im Koma und schwebe noch immer in akuter Lebensgefahr, sagte Petersen.

Polizei stellt klar: keine Schießerei

Als „reine Gerüchte“ wies Sprecher Petersen dagegen Darstellungen in sozialen Netzwerken zurück, es habe eine Schießerei gegeben.

Der 38-Jährige stellte sich freiwillig der Polizei und ließ sich widerstandslos festnehmen. Der Mann habe sich „als Täter zu erkennen gegeben“, sagte Petersen. Nach Einschätzung der Beamten verhielt sich der Mann zudem "einsichtig", sagte der Sprecher. Die Hintergründe der Konflikte zwischen dem späteren Opfer und dem Täter müssten erst noch ermittelt werden. "Das kann man derzeit noch nicht wissen."

Opfer und Täter hatten eine persönliche Beziehung

Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei hatten Opfer und Täter eine persönliche Beziehung. Beide seien deutsche Staatsangehörige kurdischer Abstammung und gehörten zu verschiedenen Großfamilien. Aus Angst vor möglichen Racheakten habe die Polizei nach der Tat „Schutzmaßnahmen“ ergriffen, sagte Petersen. Unabhängig davon dürfe eine derartige Tat "nicht mit kulturellem Rabatt im Strafmaß gemildert werden", erklärte der Vizevorsitzende Mehmet Tanriverdi. "Wer keine Achtung vor seinen Mitmenschen und dem Grundgesetz hat, hat auch keinen Platz in der Mitte der Gesellschaft". Behörden müssten energischer gegen derartige Clans vorgehen. Es habe bisher aber keinerlei Vorfälle gegeben. Der 38-Jährige soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover dem Haftrichter vorgeführt werden.

In Hameln habe „die beispiellose Tat“ nachhaltige Erschütterung hervorgerufen, sagte Stadtsprecher Wahmes. „Es ist schwer zu begreifen, dass ein solches Verbrechen hier nur ein paar Straßen vom Rathaus entfernt begangen wurde.“

dpa

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