Kölner Polizei ermittelt

Asylbewerberinnen von Wachleuten sexuell belästigt?

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In einer Kölner Turnhalle soll es zu sexuellen Übergriffen von Wachleuten auf dort lebende Frauen gekommen sein.

Köln – Schwere Anschuldigungen erheben die Bewohnerinnen einer Kölner Notunterkunft für Flüchtlinge gegen die dortigen Wachleute. Diese hätten sie sexuell belästigt und nackt fotografiert.

+++UPDATE Donnerstag, 16 Uhr: Die Kölner Polizei geht dem Vorwurf sexueller Übergriffe durch Wachmänner in einer Notunterkunft für Flüchtlinge nach. Eine Ermittlungsgruppe der Polizei befragte am Mittwoch und Donnerstag Dutzende Frauen, wie die Polizei mitteilte. "Bislang lassen sich die Vorwürfe nicht konkretisieren", sagte ein Polizeisprecher. Es fehlten demnach zunächst genaue Erkenntnisse über mutmaßliche Opfer und über Tatzeiten. Die Ermittlungen werden fortgesetzt.

Die Kölner Polizei ermittelt einem Zeitungsbericht zufolge wegen des Verdachts auf sexuelle Übergriffe von Wachmännern auf Frauen in einer Notunterkunft für Flüchtlinge. Es bestehe der Anfangsverdacht des sexuellen Missbrauchs, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger"

Demnach werfen die Frauen den Mitarbeitern des zuständigen Sicherheitsdienstes vor, sie beim Duschen und Stillen gefilmt und fotografiert zu haben. Zudem hätten die Wachmänner den Frauen aufgelauert und versucht, sie zum Geschlechtsverkehr zu überreden, berichtete die Zeitung. 

„Mich hat ein Mann gefragt, ob ich mit ihm kommen würde, er würde gern mit mir zusammen sein“, erzählt eine junge Syrerin, die seit 40 Tagen in der Unterkunft lebt. „Als ich ihm sagte, dass ich liiert und nicht interessiert sei, hat er gesagt, dass ich dann bald hier rausflöge.“

Offener Brief an das Bundesamt für Migration

Gemeinsam mit mehreren Frauen aus der Unterkunft wandte sich die Syrerin nun in einem offenen Brief an das Bundesamt für Migration, der bei einer Demonstration der Bewohner der umfunktionierten Turnhalle vor dem Amt verteilt wurde. "Ich habe Angst", erklärt die Frau, weshalb sie lieber in der Kälte stehe, als in die Unterkunft zurückzukehren. Dorthin wollen die Frauen erst wieder, wenn der Sicherheitsdienst ausgetauscht ist.

Insgesamt 70 Bewohner der Notunterkunft demonstrierten außerdem für eine schnellere Abwicklung ihrer Asylanträge und für eine Verbesserung der Zustände in der Notunterkunft. Die Turnhalle, in der 200 Menschen leben, sei verschmutzt und es gebe nur jeweils sechs Toiletten und zwei Duschen für Frauen und Männer sowie keine Übersetzer und kaum Hilfe bei gesundheitlichen Problemen.

Sicherheitsfirma weist die Anschuldigungen zurück

Der Projektmanager der zuständigen Firma zeigte sich entsetzt über die Vorwürfe und bezeichnete sie als "völlig haltlos". Die Stadt Köln kündigte indes gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger an, die Vorwürfe „dezidiert zu prüfen“. Ein Mitglied des Flüchtlingsrats sprach von „einer Katastrophe, falls sich die Vorwürfe bewahrheiten“. Er forderte ein unabhängiges Beschwerdemanagement in den Unterkünften. „Sonst weiß niemand, was drinnen passiert.“

ja/dpa/nip

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