Schon vor Napoleon gelebt

Forscher fasziniert: Dieses Tier wird hunderte Jahre alt

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Die Gefahr für den Eishai: Schifferbote, die sie versehentlich als Beifang haben.

Kopenhagen - Sie haben eine Lebenserwartung von mindestens 400 Jahren und sind damit die wohl ältesten Wirbeltiere der Welt. Das fand nun eine Studie heraus. Grönlandhaie sollen demnach erst mit 150 Jahren geschlechtsreif werden. Dies könnte für sie zur Gefahr werden.

Unglaubliche 400 Jahre alt können Grönlandhaie werden, vielleicht sogar noch älter. Das fand nun die Forschungsgruppe der Universität Kopenhagen heraus. Damit handelt es sich beim Grönlandhai um das langlebigste bekannte Wirbeltier der Welt. Ihre Geschlechtsreife erreichen diese Tiere demnach erst nach etwa 150 Jahren.

Julius Nielsen und sein internationales Team veröffentlichten in der Fachzeitschrift Sicence ihre neusten Erkenntnisse. 

Der Grönlandhai oder Eishai (Somniosus microcephalus) lebt im Nordatlantik und im Nordpolarmeer und erreicht eine Größe von weit über fünf Metern. Da er sehr langsam wächst - frühere Schätzungen gingen von etwa einem Zentimeter pro Jahr aus - glaubten Forscher schon lange, dass er sehr alt werden kann. Eine konventionelle Altersbestimmung dieser Knorpelfische sei wegen ihrem Mangel an verkalktem Gewebe nicht möglich, schreiben Nielsen und seine Kollegen. Sie datierten das Alter stattdessen per Radiokarbonmethode anhand von Proteinen in der Augenlinse, die schon im Mutterleib gebildet werden.

Die Forscher untersuchten insgesamt 28 weibliche Haie, die bei mehreren Expeditionen gefangen worden waren. Die Tiere maßen zwischen 80 Zentimeter und gut fünf Meter. Ihr durchschnittliches Alter betrug der Messung zufolge 272 Jahre. Das größte untersuchte Exemplar war etwa 392 Jahre alt, bei einer Messunsicherheit von 120 Jahren. Die Haie haben also schon lange vor Napoleon gelebt und haben selbst alle Weltkriege überlebt.

Zeitzeugen der Geschichte

Der Grönlandhai ist nicht das einzig langlebige Tier im Meer. Ein hohes Alter erreicht unter den Wirbeltieren auch der Grönlandwal, der älter als 200 Jahre werden kann. Die Langlebigkeit des Grönlandhais werde aber von der - auch in der Ostsee vorkommenden - Islandmuschel (Arctica islandica) noch übertroffen, schreiben die Autoren. Diese könne sogar über 500 Jahre alt werden.

Nach aktuellen Forschungen werden Grönlandhaie ab einer Länge von vier Metern geschlechtsreif. Mit der nun vorliegenden Altersbestimmung würde das bedeuten, dass die Tiere erst 150 Jahre alt werden müssen, ehe sie sich fortpflanzen können. Demnach würden sie doch etwas schneller wachsen als bislang vermutet.

„Es war zu erwarten, dass Grönlandhaie langlebig sind“, sagt Jürgen Kriwet vom Institut für Paläontologie der Universität Wien, der nicht an der Studie beteiligt war. „Aber dass sie so alt werden, ist doch überraschend. Nun wäre interessant zu ergründen, warum diese Haie so lange leben.“ Langlebigkeit werde oft mit Körpergröße in Verbindung gesetzt. „Aber Grönlandhaie sind nicht die größten Haie, und auch nicht die einzigen, die in so kalten Gewässern leben“, so Kriwet. Ihre erstaunliche Langlebigkeit müsse also eine andere Ursache haben.

Die Gefahr sind wir Menschen

Eishaie sind die langlebigsten Wirbeltiere.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) wird der Grönlandhai als „potenziell gefährdet“ eingestuft. Die neuen Ergebnisse unterstreichen, so Nielsen und seine Kollegen, dass der Hai vorsorglichen Schutzes bedürfe.

Grönlandhaie sind ein häufiger Beifang der Fischerei nach Grundfischen wie Seelachs oder Kabeljau. „Besonders ihre späte Geschlechtsreife macht die Grönlandhaie sehr anfällig.“, sagt Kriwet. Die Wahrscheinlichkeit eines Fanges bevor sich der Grönlandhai fortgepflanzt habe sei demnach groß.

af/dpa

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