Inder diskutieren nach Tempelbrand über Sicherheit

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Fast 10 000 Menschen waren zum Zeitpunkt der Explosion bei der Vishu-Feier. Foto: str

Nach dem verheerenden Brand während eines Feuerwerks im südindischen Kerala beginnt die Diskussion um mangelhafte Sicherheit. Ganz aufgeben will das Land seine Traditionen aber nicht.

Neu Delhi (dpa) - Kaum hat sich der Staub nach einem der schwersten Feuerwerks-Unglücke in Indien mit vielen Toten gelegt, beginnt die Suche nach den Verantwortlichen. Die Polizei hat fünf Mitarbeiter der beiden Feuerwerk-Veranstalter verhaftet, wie sie der Deutschen Presse-Agentur am Montag mitteilte.

Einer der Veranstalter liege noch im Krankenhaus, weil er selbst bei dem Unglück schwer verletzt wurde. Der andere sei flüchtig.

Gleichzeitig beginnt im ganzen Land die Diskussion um fehlende Sicherheitsstandards und darum, wie das Unglück hätte verhindert werden können. In der Nacht zum Sonntag hatte um den Puttigal-Tempel im Distrikt Kollam ein mehrstündiges Feuerwerk stattgefunden, um das hinduistische Neujahrsfest Vishu zu feiern. Gegen 3.30 Uhr fing ein Schuppen Feuer, in dem Feuerwerkskörper gelagert wurden. Die anschließende Explosion brachte auch ein angrenzendes Verwaltungsgebäude aus Beton zum Einsturz und beschädigte den Tempel. Laut Polizeiangaben wurden mindestens 108 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt.

"Wir werden auch nach dem Vorfall nicht grundsätzlich verbieten, dass in Tempeln Feuerwerk gezündet wird", sagte Anil Kumar vom "Travancore Devaswom" Komitee der Deutschen Presse-Agentur. Das Komitee vertritt mehr als 1200 Tempel im Bundesstaat Kerala. "Die Tempel müssen sich aber jedes Feuerwerk von den Behörden genehmigen lassen und alle Sicherheitsvorschriften befolgen."

Genau dies ist nach Angaben der Polizei beim Puttigal-Tempel nicht passiert. "Es gab keine Genehmigung für das Feuerwerk", sagte die hochrangige Beamtin A. Shainamol vor Fernsehkameras. Tempel müssen sich in Kerala grundsätzlich jedes Feuerwerk genehmigen lassen. Oft werden die Feiern aber auch dann abgehalten, wenn es keine Genehmigung gibt.

Medienberichten zufolge hatte der Tempel nicht nur ein einfaches Feuerwerk organisiert. Stattdessen habe zwischen den beiden Feuerwerks-Veranstaltern ein Wettbewerb stattgefunden. Beide hätten versucht, sich durch besonders spektakuläre Darbietungen gegenseitig zu übertreffen.

Wettbewerbe wie dieser sind in Kerala sehr beliebt. Je größer und opulenter ein Feuerwerk, desto besser ist der Ruf des Tempels, der es veranstaltet. Das hat messbare Folgen: Die indische Zeitung "Hindustan Times" hat berechnet, dass Unfälle mit Feuerwerkskörpern allein in den vergangenen fünf Jahren mehr als 400 Menschen in Kerala das Leben gekostet haben.

Zahlreiche Tempel und Veranstalter haben inzwischen angekündigt, nur noch kleinere Feuerwerke zu veranstalten oder weniger laute Feuerwerkskörper zu benutzen. Ganz darauf verzichten wollen aber die wenigsten.

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