Viele Italiener schlafen lieber im Auto

Nach Erdbeben: Menschen sollen vorübergehend an der Adria leben

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Rom - Ein schweres Erdbeben hat Mittelitalien erschüttert. Das Zentrum des Erdbebens lag südöstlich von Perugia. Bereits am Mittwoch hatte es zwei schwere Erdstöße gegeben. Lesen Sie unseren News-Blog.

  • Schweres Erdbeben erschüttert erneut Mittelitalien.
  • Das Seismologische Zentrum spricht von einer Stärke von 6,6.
  • Das Zentrum lag südöstlich von Perugia.
  • Rund 20 Menschen wurden verletzt.
  • Todesopfer soll es keine geben.

+++ Die Behörden haben die Menschen aufgerufen, die betroffenen Orte zu verlassen. „Woanders hinzugehen heißt nicht, nicht zurückzukehren“, sagte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, am Sonntagabend. Die betroffenen Menschen sollten vorübergehend an die Adria-Küste oder in Unterkünfte in der Umgebung gebracht werden. Viele entschieden sich dazu, die Nacht im Auto zu verbringen. Etwa 8000 Menschen wurden laut Zivilschutz in Notunterkünften versorgt.

+++ Wie heftig der Erdstoß am Sonntagmorgen Mittelitalien erschüttert hat, zeigen Fernsehbilder: Ein tiefer Riss zieht sich durch einen Berg nahe Ussita. Der Ort liegt in der Nähe des Erdbebenzentrums. Dieser Riss sei vorher nicht da gewesen, berichtete der Sender Sky TG24. Das Erdbeben gegen 7.40 Uhr ist Experten zufolge das stärkste in Italien seit 1980 gewesen.

+++ Auf den schweren Erdstoß vom Sonntagmorgen ist ein Erdstoß mit einer Stärke von 4,6 gefolgt. Das Zentrum am frühen Sonntagnachmittag lag dem italienischen Institut für Geophysik und Vulkanologie zufolge erneut nahe den Städten Norcia und Preci, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Bei dem Erdbeben gegen 7.40 Uhr soll es sich um das stärkste seit 1980 in Italien gehandelt haben. Bilder zeigen zerstörte Kirchen und Häuser, Schuttberge und tiefe Risse in den Straßen.

+++ Italiens Premierminister Matteo Renzi hat den Menschen in der Erdbebenregion nach dem neuerlichen Erdstoß sofortige Hilfe zugesagt und sein Mitgefühl ausgesprochen. „Wir werden alles wieder aufbauen: die Häuser, die Kirchen und die Geschäfte“, versprach Renzi am Sonntag in Rom. Die Menschen in der betroffenen Region südöstlich von Perugia lebten seit Wochen in physischer Unsicherheit, Angst und Sorge. Renzi zeigte sich betroffen, dass erneut Orte in dem „wunderschönen Gebiet“ von dem Erdbeben verwüstet wurden. Er appellierte an die Politiker des Landes, Streit und Spaltung zu vermeiden.

+++ Das jüngste Erdbeben in Mittelitalien ist dem Zivilschutz zufolge mit einer Stärke von 6,5 das schwerste Beben in dem Land seit 1980 gewesen. Das sagte der Chef der Behörde, Fabrizio Curcio, bei einer Pressekonferenz am Sonntagmittag. Er bestätigte, dass es weiterhin keine Berichte über Todesopfer gebe, aber um die 20 Menschen verletzt wurden. Viele historische Gebäude in der betroffenen Region südöstlich von Perugia seien schwer beschädigt worden. Tausende Menschen sind ohne Strom.

Erneutes Erdbeben verwüstet Italien

+++ Nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien haben die Behörden auch in Rom Gebäude vorsorglich überprüft und teils geschlossen. Auch zwei Straßen wurden gesperrt.

Ein Riss in der Fassade der Papstbasilika Sankt Paul in Rom.

Das Kolosseum wurde auf Schäden untersucht, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Der Präsidentensitz im Quirinalspalast wurde vorsorglich geschlossen; ein Konzert in einer Kirche verschoben. Gebäude des Vatikan sowie der Petersdom wurden überprüft. Der Dom blieb aber für die Öffentlichkeit zugänglich - zunächst wurden laut Ansa keine Schäden festgestellt. Die Sicherheitskräfte des Vatikan waren noch dabei, weitere Kirchen in der Hauptstadt zu untersuchen.

Laut Radio Vatikan wurden zwei Basiliken gesperrt. Ein Foto zeigte außerdem einen Riss in der Fassade der Papstbasilika Sankt Paul in Rom.

Eines der stärksten Beben Italiens

+++ Das erneute Erdbeben in Italien ist eines der stärksten, die je in Italien gemessen wurden. Das sagte der Seismologe Frederik Tilmann vom Deutschen Geoforschungsinstitut in Potsdam am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Die Erschütterung mit einer Stärke von etwa 6,5 sei eine Folge der verheerenden Erdstöße im Sommer rund um das Bergstädtchen Amatrice mit rund 300 Toten.

Die Beben regten sich gegenseitig an, sagte Tilmann: „Wir sprechen von einer Erdbebensequenz - also mehreren Beben, die in der Größe etwas variieren, wo aber das größte nicht unbedingt am Anfang steht.“

Es werde auf jeden Fall zu weiteren Nachbeben kommen. Die Gefahr für ein starkes Beben sei derzeit sehr viel höher als im langfristigen Mittel. „Es ist sicher weise, noch eine Weile wegzubleiben für die Menschen, die das können.“

+++ „Die Menschen sind in Panik“, sagte der Bürgermeister Sergio Priozzi am Sonntagvormittag im Radio. „Wir versuchen, die Menschen zu beruhigen.“ In Amatrice hat der schwere Erdstoß nun den Kirchturm zum Einsturz gebracht, der zum Mahnmal der Naturkatastrophe wurde.

+++ Dass viele Häuser schon bei dem Beben im Sommer oder vergangene Woche zerstört wurden, dürfte für viele Menschen in der Region nun ein trauriger Vorteil sein: Sie erleben das Beben in Turnhallen oder anderen Notunterkünften oder im Auto - und kommen so mit dem Leben davon. Schon zuvor waren Tausende Menschen obdachlos, haben alles verloren.

Die betroffenen Orte

+++ Dieses Mal heißen die Orte Norcia, Preci, Castelsantangelo und Visso, in denen von schweren Schäden die Rede ist. Die betroffenen Orte sind kleine Dörfer und Gemeinden in schönster Natur inmitten der Berge. Eine Region, die auch bei Touristen bekannt ist. Viele der Orte haben einen historischen Kern - und entsprechend alte, erdbebenunsichere Häuser. Doch die Menschen bleiben trotz der Gefahr, sie sind tief verwurzelt in der Region.

+++ Die neuen Erdstöße haben auch in dem im August von einem Erdbeben schwer betroffenen Ort Amatrice Schäden angerichtet. Der Kirchturm des Ortes, der damals die Stöße noch weitgehend überstanden hatte, sei nun eingestürzt, berichteten der Sender RaiNews24 und die Nachrichtenangentur Ansa. Laut Ansa stürzte auch der Stadtturm ein. Der stellvertretende Bürgermeister Gianluca Carloni sprach von einigen Menschen mit leichten Verletzungen in seinem Ort.

+++ Bei dem schweren Erdbeben in Mittelitalien sind nach ersten Informationen des Zivilschutzes einige Dutzend Menschen verletzt worden. Unter ihnen sei auch ein Mensch mit schwereren Verletzungen, sagte Zivilschutz-Chef Fabrizio Curcio laut Nachrichtenagentur Ansa am Sonntagvormittag in einer ersten Bilanz. Die Verletzten würden mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht.

+++ Drei Menschen sind nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien lebend aus Trümmern geborgen worden. Sie hätten in der Stadt Tolentino bei Macerata unter Schutt gelegen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Sonntagmorgen unter Berufung auf den Zivilschutz. 

Zwei Kirchen eingestürzt

+++ In Norcia sind zwei alte Kirchen in Folge des schweren Erdbebens am Sonntagmorgen eingestürzt. Nur Teile der Basilika San Benedetto aus dem 14. Jahrhundert sowie der Kathedrale Santa Maria Argentea seien stehengeblieben, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Norcia ist eine bekannte mittelalterliche Stadt in Umbrien. In ihrer Nähe soll das Zentrum des Bebens mit einer Stärke um die 6,5 gelegen haben.

+++ Dem italienischen Zivilschutz sind nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien zunächst keine Berichte über Todesopfer bekanntgeworden, es gebe aber mehrere Verletzte. Das sagte Zivilschutz-Chef Fabrizio Curcio auf einer Pressekonferenz. Viele Straßen seien blockiert.

+++ Dem italienischen Zivilschutz sind nach dem erneuten Erdbeben in Mittelitalien schwere Schäden gemeldet worden. „Es war ein sehr starker Erdstoß“, sagte der Cesare Spuri vom Zivilschutz in den Marken. „Uns wurden Einstürze in Muccia, Tolentino (...) gemeldet, wir versuchen herauszufinden, ob es Menschen unter den Trümmern gibt.“ Der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Ussita, Marco Rinaldi, sagte der Nachrichtenagentur Ansa: „Es ist alles eingestürzt.“ In dem Ort hatten bereits die Beben von vergangenem Mittwoch starke Schäden angerichtet. „Ich sehe eine Rauchsäule, es ist ein Desaster, ein Desaster! Ich habe im Auto geschlafen und die Hölle gesehen.“

+++ Der Erdstoß löste in der Region Marken Panik aus. Menschen liefen erschreckt auf die Straße, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Das Beben sei auch deutlich und lange in der Provinz Umbrien und in Städten wie Florenz und Ancona - vor allem in oberen Stockwerken - zu spüren gewesen. Die Telefonleitungen in dem betroffenen Gebiet seien unterbrochen.

Metro in Rom vorübergehend gestoppt

+++ In Rom wurde vorübergehend die zwei zentralen Metrolinien A und B gestoppt. Es gebe technische Überprüfungen nach dem Beben um 7.40 Uhr, war auf der Internetseite der Verkehrsgesellschaft Atac zu lesen. Den Angaben zufolge gab es auch Verzögerungen im Zugverkehr.

Ein weiteres schweres Erdbeben hat Mittelitalien erschüttert. Das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie und das Helmholtz-Zentrum in Potsdam gaben die Stärke am Sonntagmorgen mit 6,5 an. Das Seismologische Zentrum Europa-Mittelmeer sprach von einer Stärke von 6,6. Das Zentrum lag südöstlich von Perugia bei dem Städtchen Norcia. Das Beben ereignete sich gegen 7.40 Uhr, laut den Experten in etwa 10 Kilometern Tiefe.

Schweres Beben vor wenigen Tagen

Erst am Mittwochabend hatten zwei starke Erdschöße die Region erschüttert, die bereits vor zwei Monaten von einem verheerenden Beben heimgesucht worden war. Ein Mann starb, allerdings an den Folgen eines Herzinfarktes. Es gab mehrere Verletzte, Tausende sind obdachlos. Seither hatte es immer wieder leichte und schwere Nachbeben gegeben.

Bei dem schweren Erdbeben Ende August kamen nach offiziellen Angaben 298 Menschen ums Leben, die meisten in dem Ort Amatrice. Die italienische Regierung schätzte die Erdbebenschäden zuletzt auf rund vier Milliarden Euro. Das Land wird häufig von Erdstößen heimgesucht, die immer wieder verheerende Folgen haben.

Hintergrund: Riesige Spannungen im Untergrund

Das mittlere Italien ist eine derjenigen Regionen in Europa, die besonders häufig von schweren Erdstößen heimgesucht werden. Immer wieder trifft es die bergige Gegend in den Abruzzen. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Denn der „Adriatische Sporn“ - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich hier an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet.

Bereits am Mittwoch hatte in der Region der Untergrund gebebt. Der schwerste Stoß, der auch in der Hauptstadt Rom zu spüren war, ereignete sich nahe Visso. Das Zentrum des ersten Stoßes lag laut der Nachrichtenagentur Ansa nahe dem Ort Castelsantangelo sul Nera, einem Dorf an der Grenze der Regionen Marken und Umbrien, nicht weit entfernt von Amatrice.

Immer wieder trifft es die bergige Gegend in den Abruzzen. Nur etwas weiter südlich hatten im Jahr 2009 Erdstöße die Stadt L'Aquila teils verwüstet, es gab mehr als 300 Tote. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Denn der „Adriatische Sporn“ - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich hier an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet. Die enormen Energien können sich entladen.

dpa

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