ZDF räumt Versäumnis ein

Debatte über Medienberichte zu Sex-Angriffen

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Zurückhaltende Medienberichte über die Angriffe auf Frauen in Köln sorgen für Diskussionen.

Berlin/Mainz - Sexuelle Übergriffe von ausländisch aussehenden Männern - wie sollen Medien über die Taten von Köln berichten, ohne Vorurteile zu schüren? Warum waren manche erst zurückhaltend?

Die zunächst vielfach zurückhaltenden Berichte über die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und Hamburg haben eine Debatte in Medien und sozialen Netzwerken ausgelöst. Das ZDF räumte ein, zunächst zu zögerlich über den Kölner Fall berichtet zu haben. In den Fokus rückt auch die Frage, ob die laut Zeugen- und Polizeiaussagen ausländische Herkunft der mutmaßlichen Täter genannt werden soll oder nicht.

„Die Nachrichtenlage war klar genug. Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-„heute“-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens gemeldet hat“, schreibt der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen in einem auf der Facebook-Seite der „heute“-Sendung veröffentlichten Statement. Er bezog sich damit auf die 19-Uhr-Ausgabe vom Montag. Die Redaktion habe entschieden, den Beitrag auf den Tag des Krisentreffens am Dienstag zu verschieben, um ergänzende Interviews zu führen. Theveßen: „Dies war jedoch eine klare Fehleinschätzung.“

Vor dem Kölner Hauptbahnhof hatten kleinere Gruppen von Männern aus einer Menschenmenge heraus Frauen sexuell bedrängt und ausgeraubt. Am Dienstagabend brachte das ZDF zu dem Thema dann ein „spezial“, das 5,13 Millionen Zuschauer sahen.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) wies darauf hin, dass auf Videotext-Tafel der ARD noch am Dienstag von „Männergruppen“ zu lesen war, die sexuelle Übergriffe verübt hätten. Dass es sich um Männer handelte, die „dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum“ stammen, habe zu diesem Zeitpunkt gefehlt. Das hatte Polizeipräsident Wolfgang Albers unter Berufung auf Zeugenaussagen am Montag gesagt.

Informieren statt spekulieren

Sind Medien bei der Nennung eines Migrationshintergrundes von Verdächtigen zu vorsichtig - aus Furcht vor Vorurteilen und Rechtspopulismus? Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wandte sich gegen solche Vorwürfe. „Journalisten müssen informieren, aber nicht spekulieren“, sagte der DJV-Vorsitzende Frank Überall. Nur spärlich seien Informationen über die Kölner Übergriffe durchgesickert. „Eine nicht durch solide Recherchen gedeckte Verdachtsberichterstattung ist nicht nur unvereinbar mit den Prinzipien des professionellen Journalismus, sondern auch innenpolitisch brandgefährlich“, sagte Überall.

Der DJV wies auf den Pressekodex hin der im Presserat zusammengeschlossenen Medien hin. „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“, heißt es da.

Die FAZ argumentiert, der Umstand, dass die Männer aussahen, als stammten sie aus Nordafrika oder dem Nahen Osten, spiele für möglich Motivation und die Aufklärung der Taten eine wichtige Rolle. Die „Tageszeitung“ (taz) macht da Zweifel geltend: „Als ob es in Deutschland ohne Einwanderer keine Diebstähle, keine Vergewaltigungen und keine Morden gäbe.“ Im Übrigen seien Standards, nach denen die Herkunft von Tätern in der Regel nicht genannt wird, längst erodiert.

„Stern“-Herausgeber Andreas Petzold schrieb: „Die Herkunft der Täter ist weder für die Strafverfolgung relevant noch hilfreich für die vielen Opfer.“ Mit Blick auf rechtsnationale Hetze gegen Flüchtlinge fügte er hinzu: „Aber gegen dümmliche Mutmaßungen helfen nur Tatsachen, selbst wenn sie politisch nicht in die Landschaft passen würden.“

Die Berliner „B.Z.“ spießte am Mittwoch auf ihrer Titelseite populistische Tiraden und die Netz-Gerüchte auf. Sie zitierte Online-Schlagzeilen wie „Migranten machten Jagd auf Frauen“ - mit der Anmerkung: „So würde die B.Z. aussehen, wenn wir dem Internet vertrauen würden“. Dreht man das Blatt um, stehen dort „die Fakten“.

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dpa

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