Drogenboss in Schauspielerin vernarrt

"El Chapo": Diese Schönheit wurde ihm zum Verhängnis

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Im Fernsehen spielt Kate del Castillo eine Drogenbaronin. Im wahren Leben half die Schauspielerin, einen echten Drogenboss zu schnappen.

Mexiko-Stadt - Eine Geschichte wie aus einem Drehbuch: Nach seiner spektakulären Flucht brachten seine Geltungssucht und seine Schwärmerei für eine Frau den mexikanischen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán zu Fall. 

Regierungsvertreter bestätigten Berichte, wonach Guzmáns "Vernarrtheit" in die mexikanische Schauspielerin Kate del Castillo ihm zum Verhängnis wurde. Der 58-Jährige habe während seiner Flucht ein "geradezu zwanghaftes" Verlangen entwickelt, die 43-jährige Schauspielerin wiederzusehen, berichteten sie. Dies sollte in der Küstenstadt Los Mochis geschehen - wo der Drogenboss am vergangenen Freitag schließlich festgenommen wurde.

Del Castillo hatte im Oktober ein Treffen Guzmáns mit dem Hollywoodstar Sean Penn arrangiert - was dazu führte, dass die mexikanischen Sicherheitskräfte die Fährte des im Juli aus seinem Hochsicherheitsgefängnis geflüchteten Drogenbosses aufnahmen. Ein Zugriffsversuch in seinem Versteck in den schwer zugänglichen Bergen zwischen Guzmáns Heimatstaat Sinaloa und dem benachbarten Bundesstaat Durango scheiterte aber damals.

Die falsche Drogenbaronin und der echte Drogenboss

Berühmt wurde del Castillo mit der Fernsehserie "La Reina del Sur" (Die Königin des Südens) 2011. Ihre Karriere verlief ohne größere Skandale, bis sie im Februar 2012 im Kurzbotschaftendienst Twitter Nachrichten über Guzmán absetzte.

In einer Botschaft bekannte sie, sie glaube "mehr an Chapo Guzmán als an die Regierungen, die die Wahrheit vor mir verbergen, auch wenn sie schmerzhaft ist". Del Castillo bittet den Kriminellen darin inständig, aus dem Drogengeschäft auszusteigen. Der Kartellchef war damals seit elf Jahren auf der Flucht - nach seinem ersten Ausbruch aus dem Gefängnis 2001.

Del Castillo betonte jedoch in einem Interview, sie sei missverstanden worden und die Tweets "totale Ironie und Sarkasmus". Zudem versicherte die dunkelhaarige, geschiedene 43-Jährige, Guzmán habe nie geantwortet und sie kenne ihn auch nicht.

Hollywoodstar Penn berichtet in seinem am Samstag im US-Magazin "Rolling Stone" veröffentlichten Artikel jedoch, ein Anwalt Guzmáns habe del Castillo nach ihrer Twitter-Nachricht kontaktiert. "Er sagte, El Señor wollte ihr aus Dankbarkeit Blumen schicken. Sie war nervös, gab ihm aber ihre Adresse, doch wegen des nomadenhaften Lebens einer Schauspielerin kamen die Blumen nicht bei ihr an", berichtet Penn.

Nach Guzmáns Festnahme im Februar 2014 habe der Anwalt del Castillo erneut ausfindig gemacht. Fortan tauschte Mexikos Serienstar mit dem Drogenboss handgeschriebene Briefe und SMS-Nachrichten aus, wie Penn berichtet. Im Gefängnis plante Guzmán demnach einen Film über sein Leben, doch er wollte "nur Kate die Geschichte anvertrauen".

So kam der Kontakt zustande

Als Penn über den Drogenboss schreiben wollte, suchte er nach eigener Darstellung über einen Freund Kontakt zu del Castillo, die wiederum eine Verbindung zu Guzmán herstellte. Am 2. Oktober - im Juli war Guzmán durch einen Tunnel aus dem Hochsicherheitsgefängnis geflohen - fand das berühmt gewordene Treffen zwischen Penn, del Castillo und Guzmán tatsächlich statt. Als sie zum verabredeten Termin auf einer Dschungellichtung eintrafen, habe Guzmán den mexikanischen Fernsehstar "begrüßt wie eine Tochter, die von der Uni zurückkehrt", erzählt Penn.

Guzmán habe del Castillo immer als "die Schöne" tituliert, berichtete ein weiterer Regierungsvertreter. In seinem Versteck in Los Mochis seien mehrere DVDs der Fernsehserie "La Reina del Sur" gefunden worden, in der die Schauspielerin eine Drogenbaronin spielt. Die Bemühungen um ein weiteres Treffen hätten dazu beigetragen, dass Guzmán dingfest gemacht werden konnte. Das von Guzmán herbeigesehnte Treffen habe aber nicht stattgefunden.

Bei der Erstürmung seines Verstecks in Los Mochis wurden fünf bewaffnete Vertraute Guzmáns getötet. Der Drogenboss selbst entkam zunächst gemeinsam mit seinem Sicherheitschef, wurde aber kurze Zeit später in einem gestohlenen Wagen geschnappt.

Drogenboss "El Chapo" gefasst: Stationen einer Flucht

Es war bereits der zweite Versuch

Spezialeinheiten hätten den Drogenboss bereits am 6. Oktober beinahe gefasst, doch habe sich dieser die Tochter seines Kochs geschnappt und sie wie einen "menschlichen Schutzschild" vor sich gehalten, berichtete ein Regierungsvertreter. Daraufhin habe es der Scharfschütze im Helikopter vorgezogen nicht zu schießen, und Guzmán sei ein weiteres Mal entkommen.

In der vergangenen Woche verlegte der kleingewachsene Drogenboss schließlich sein Versteck nach Los Mochis, wo er schließlich nach erneuter kurzer Flucht durch einen Tunnel geschnappt wurde. Dass er nach Los Mochis kam, hatte demnach auch mit seinem Wunsch nach einem Wiedersehen mit der Schauspielerin zu tun.

Noch ein Tunnel gräbt "El Chapo" nicht

Der Drogenboss ist nun wieder zurück im Hochsicherheitsgefängnis von Altiplano, wo seine Flucht im Juli begann. Dort wartet er auf seine mögliche Auslieferung an die USA.

Damit er bis dahin aber nicht wieder einen Tunnel bauen oder auf andere Weise entkommen kann - wie etwa bei seiner ersten Flucht aus einem Gefängnis im Jahr 2001, als er sich in einem Wäschewagen versteckte - wird er nach Regierungsangaben regelmäßig in verschiedene Zellen verlegt. Vor seiner Zellentür sei zudem rund um die Uhr eine Wache postiert, verrieten die Behörden und erwähnten vage noch weitere Schutzmaßnahmen.

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Video: So spektakulär verlief die Festnahme von "El Chapo"

afp

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