Tierschützer enttäuscht

Antrag auf Walschutzgebiet gescheitert

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Blick in das Auge eines toten Zwergwals. Die Einrichtung eines Walschutzgebietes im Südatlantik ist gescheitert. Foto: Stefan Sauer

Umweltschützer sprechen von einer versäumten Chance: Im Südatlantik wird es weiterhin kein sicheres Reservat für Wale geben. Der Vorstoß der Anrainerländer fand bei der Tagung der Internationalen Walfangkommission nicht die nötige Mehrheit.

Portoroz (dpa) - Die Vollversammlung der Internationalen Walfangkommission (IWC) hat die Einrichtung eines riesigen Walschutzgebietes im Südatlantik erneut abgelehnt.

"Der Antrag erreichte nicht die erforderliche Dreiviertelmehrheit", teilte IWC-Sprecherin Kate Wilson nach der Abstimmung im slowenischen Portoroz mit. "Das Abstimmungsergebnis ist ein Tiefschlag für den Schutz der Meeresriesen", kritisierte WWF-Meeresexperte Stephan Lutter. Damit werde eine fortschrittliche Initiative im Walschutz "harpuniert".

Bei der Abstimmung im slowenischen Portoroz gab es laut Wilson 38 Ja- und 24 Nein-Stimmen sowie 2 Enthaltungen. Die am Südatlantik liegenden Staaten Argentinien, Brasilien, Gabun, Südafrika und Uruguay hatten den Antrag eingebracht. Demnach hätte die Schutzzone für die Meeressäuger eine Fläche von 20 Millionen Quadratkilometern im Südatlantik vom Äquator bis zum Beginn der Antarktis umfasst. Nach IWC-Angaben wird bereits seit 1998 auf Initiative von Brasilien über ein solches Schutzgebiet debattiert.

"Es ist sehr enttäuschend, dass diese Resolution nicht die erforderliche Mehrheit erhalten hat", erkärte Andreas Dinkelmeyer, der Sprecher des Internationalen Tierschutzfonds IFAW am Konferenzort. Im Südatlantik leben nach IWAF-Darstellung unter anderem Blau-, Buckel-, Finn-, Zwerg-, Pott- und Seiwale sowie der Südkaper. Die Resolution habe sich erstmals nicht nur auf ein Verbot des Walfangs beschränkt, sagte Dinkelmeyer. Ziel sei ein umfassender Ansatz für den Schutz für Meeressäuger gewesen, der alle Gefahren für sie in der Region in Betracht zieht und Lösungen findet. Die Wale benötigten dringend Schutz, nicht nur vor Walfängern, sondern auch vor vielen anderen Gefahren wie Geisternetzen, Plastik im Meer und Kollisionen mit Schiffen. 

Tier- und Naturschützer brachten das Scheitern des Antrags mit Lobbyaktivitäten der Walfangnationen in Zusammenhang. "Die Walfangländer wollen um jeden Preis ein solch starkes Signal pro Walschutz verhindern - obwohl sie im Südatlantik gar keine Walfang-Ambitionen haben", meinte Sandra Altherr, eine Expertin von Pro Wildlife. 

"Dies ist nicht nur eine Niederlage für den Walschutz, sondern auch eine Diskreditierung des Wissenschaftsausschusses der IWC, der den Antrag eingehend prüfte, einstimmig als profund erklärte und klar begrüßte", sagte Fabienne McLellan von OceanCare. Ein von Japan dirigierter Länderblock aus vorwiegend westafrikanischen und karibischen Staaten habe den Wunsch aller Anrainerstaaten nach einem großen Schutzgebiet im Südatlantik torpediert, fügte sie hinzu. 

Japan steht wegen seiner Walfang-Aktivitäten selbst im Mittelpunkt der Kritik. Der Inselstaat nutzt eines der Schlupflöcher des seit 1986 geltenden Moratorium für den kommerziellen Walfang. Demnach dürfen Meeressäuger in kleinerer Zahl zu wissenschaftlichen Zwecken gefangen und getötet werden. Das japanische Walfang-Programm habe aber keinen wissenschaftlichen Nutzen, hatte zuletzt der Internationalen Gerichtshof (IGH) in einem Urteil festgestellt.

Die am Montag eröffnete und bis Freitag dauernde IWC-Vollversammlung soll sich deshalb auch mit dem umstrittenen japanischen Programm befassen. Tierschützer verlangen eine deutliche Verurteilung. Zugleich beanstanden sie, dass die Aktivitäten Norwegens - des derzeit aktivsten Walfanglandes - gar nicht erst auf der Tagesordnung des Treffens in Slowenien steht. Das skandinavische Land jagt Wale unter Berufung darauf, dass es Einspruch gegen das Moratorium eingelegt hat.

Die IWC, der rund 90 Länder angehören, reguliert die Aktivitäten rund um den Walfang. Unter den Mitgliedern sind sowohl Befürworter als auch Gegner des Walfangs, unter ihnen Deutschland.

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