Baufirma war in Eile

67 Tote in China bei Einsturz von Bauplattform in Kraftwerk

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Aus großer Höhe stürzte eine Plattform mit 70 Arbeitern in einem neuen Kühlturm des Kohlekraftwerkes Fengcheng. Foto: EPA/STR

Die Baufirma war in Eile, den Kühlturm fristgerecht fertigzustellen. Da stürzt ein großes Gerüst ein und reißt 70 Arbeiter in die Tiefe. Die meisten überleben nicht.

Peking (dpa) - Bei einem schweren Unglück auf der Baustelle eines Kraftwerkes sind im Osten Chinas 67 Menschen ums Leben gekommen.

Aus großer Höhe stürzte am Morgen eine Plattform mit 70 Arbeitern in einem neuen Kühlturm des Kohlekraftwerkes Fengcheng (Provinz Jiangxi) ein, wie die Online-Ausgabe der Zeitung "Jiangxi Xinwen" berichtete.

Viele Arbeiter wurden unter einem Haufen aus verbogenen Gerüsten, Brettern, Zement und Baustahl begraben. Ein Arbeiter wurde noch vermisst. Zwei lagen verletzt im Krankenhaus.

Verantwortliche der Baufirma Hebei Yineng räumten ein, dass die Konstruktion in Eile vorangetrieben worden sei, um Fristen einzuhalten, wie die Zeitung "Pengpai Xinwen" online berichtete. "Wir haben unter Zeitdruck gearbeitet", sagte demnach eine nicht näher genannte Quelle. Ob der Zement schon fest genug war, schien unklar: "Ich bin mir nicht sicher", hieß es in der Zeitung. "Wir müssen Tests machen." Die Lage nach dem Unfall sei "ziemlich chaotisch".

Die Umstände des Einsturzes der Bauplattform schienen unklar. "Wir haben die Ermittlungen noch nicht begonnen, sondern konzentrieren uns auf die Rettungsarbeiten", sagte der Verantwortliche laut "Pengpai Xinwen". Der Chef der staatlichen Arbeitsschutzverwaltung, Yang Huanning, reiste von Peking zur Unglücksstelle. "Alle Stellen müssen Lehren aus dem Unglück ziehen und ernsthafte, umfassende Sicherheitsinspektionen vornehmen", ordnete die Behörde an.

"Wir sind zutiefst bestürzt", sagte der Vizegouverneur der Provinz, Li Yihuang, auf einer Pressekonferenz. Das Unglück reiht sich in eine Serie von schweren Industrieunfällen ein, die in der schnell wachsenden zweitgrößten Volkswirtschaft immer wieder geschehen. In einem fahrlässig verwalteten Lagerhaus im Hafen von Tianjin waren im August 2015 tonnenweise Chemikalien explodiert, wobei 173 Menschen ums Leben kamen. Im Dezember starben 73 Menschen in Shenzhen in Südchina, als eine Halde mit Bauschutt ins Rutschen kam, nachdem Inspektoren zuvor noch vor Instabilität gewarnt hatten.

Viele Tausend Menschen sterben jedes Jahr bei Industrieunfällen in China. Die Zahl ist nach amtlichen Angaben in der ersten Hälfte dieses Jahres aber um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 14 136 zurückgegangen, wie die nationale Arbeitsschutzbehörde berichtet hatte. Ob aber alle tödlichen Unfälle auch tatsächlich den staatlichen Stellen gemeldet wurden, bezweifeln Experten. Sie weisen darauf hin, dass den Verantwortlichen hohe Strafen drohen.

Besonders in den gefährlichen Kohlegruben Chinas werden Todesfälle gerne vertuscht und Angehörige schnell entschädigt, damit sie Unfälle nicht melden. In keinem Land der Erde leben Bergleute so gefährlich wie in China. Hinter den vielen Arbeitsunfällen stecken oft mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, schlechte Ausrüstung, Korruption und auch Vetternwirtschaft mit örtlichen Aufsichtsbehörden.

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